Von Petra Kipphoff

Volker Meier ist einer von den rund 12 000 Bildenden Künstlern, die, so hat es die Künstlerenquete festgestellt, in diesem Lande leben, und er ist einer von den etwa 6000 dieser 12 000 Künstler, die ausschließlich von dem leben, was der Verkauf der Kunst einbringt, die „Hauptberufler“ sind (was die andere Hälfte angeht, die „Nebenberufler“, so ernähren sich etwa 1000 als Pädagogen; leben knapp 2000 von Einkünften als Graphiker, Photographen, Kunsthandwerker; sind etwa 200 als Bühnenbildner und Ausstatter tätig; leben etwa 3000 von einer Rente, einem Stipendium, einer Frau oder Freundin – alle jedoch fühlen sich, verstehen sich als Bildende Künstler).

„Im Mittel“, so das Resümee der Künstlerenquete, „verdienen hauptberufliche Bildende Künstler als Freischaffende heute 16100 im Jahr... und liegen damit um einiges unter dem Durchschnittseinkommen aller Arbeitnehmer (19 500 Mark).“

Wenn man ihn durch das statistische Raster der Künstlerenquete betrachtet, dann gehört Volker Meier irgendwo in diese Mitte der Künstler, die im Mittel weniger verdient als der durchschnittliche Nicht-Künstler. Wenn man ihn mit eigenen Augen betrachtet, wenn man ihn und seinen Lebens- und Arbeitsstil kennt, dann fällt einem nicht gerade das Wort Mitte ein.

Volker Meier ist in Hamburg geboren, Jahrgang 1932. Für einen sogenannten Mittvierziger taugt er kaum. Er lacht sehr viel und hat sehr klare Augen. Er lebt mitten in Hamburg, an einer großen, lauten Straße, aber da, wo seine Wohnung ist, nämlich über einer alten Tischlerwerkstatt im zweiten Hinterhof, ist paradiesische Ruhe. Für drei Zimmer zahlt er 160 Mark Miete (ohne Heizung), aber alles, was an und in diesen Räumen Zimmer (und Atelier) ist, hat er selber in den 16 Jahren, die er dort wohnt, gemacht und installiert: die Borde und den Fußbodenbelag, die Dusche und den Ölofen. In dieser Wohnung ist auch Volkers Freundin Diana; sie hat gerade ein Kinderbuch gezeichnet (und es in einem guten Verlag untergebracht); einen festen Job nimmt sie nur zwischendurch mal an, wenn’s notwendig ist oder Spaß macht.

Wer ein paar Minuten mit Volker Meier redet, wer ein Bild oder, eine Graphik von ihm gesehen hat, der weiß, daß seine zweite Wohnung auf dem Wasser schwimmt. Den halben Sommer verbringt er auf der Elbe, der Nordsee, der Ostsee, schippert mit Freunden irgendwo herum zwischen Dänemark, Schweden und Norwegen. Schiffswracks und Bojen, Seezeichen und Tampen, Nebelhörner und Strandgut kehren, großräumig konturiert, auf seinen Bildern immer wieder. Volker Meier ist ein Maler der „sea scape“, der See- und Wasserlandschaft. Aber aus seinen Bildem schwappt einem nicht der Aufruhr der tosenden Elemente entgegen, er registriert die Kontinuität der Veränderungen zwischen Ebbe und Flut, das Auftauchen und Verschwinden des Landes an der Kimm, die Phasenverschiebung des Lichtes zwischen Morgen und Abend. In diese Situationen hinein plaziert er seine maritimen Fundstücke, trocken und unsentimental, mit einer Attitüde, die ein wenig an Werner Held oder Max Beckmann erinnert, die nicht auf Pathos, wohl aber auf Stimmung setzt.

Volker Meier hat im letzten Jahr seinen englischen Besankutter, die „Wahkonda“, verkauft und hat den Rumpf eines 13 Meter langen alten Rügenwalder Fischkutters gekauft, der von ihm und seinen Freunden jetzt auf einer Werft in Friedrichskoog in Hand- und Groß- und Kleinarbeit wiederhergestellt wird. Bis das Boot seeklar ist, werden zwei Jahre vergangen und ungefähr 60 000 Mark verbraucht sein.