Berlin: „Peter Ackermann“

Man kennt Ackermanns Affinität zu den realen und imaginären Architekturen des 18. Jahrhunderts, zu den „Carceri d’Invenzione“ des Piranesi, eine Affinität, die ihn im Zusammenhang des neuen Berliner Realismus eher an die Peripherie rückt; Ackermann läßt sich dafür in einen ganz anderen Zusammenhang situieren, in eine Tradition des Phantastischen, die in de Quincey und Baudelaire ihre literarischen Zeugen hat. Gerade die Sachlichkeit und Sachkenntnis, mit der Ackermann das baugeschichtliche Detail ausführt, verrücken seine; Architekturen in eine phantasmagorische Dimension. Meist setzt er Bruchstücke, architektonische Reste, „Torsi“ ins Bild, hart konturiert in einem kühlen hellen Licht: Sie konstituieren „Stille Räume“, imaginäre Räume. Die Überraschung unter den ausgestellten Arbeiten (Bilder und Aquarelle, alle 1974 entstanden) sind die „Stukkatur-Bilder“. Die plan gemalte Architektur wird am unteren Bildrand in ein als architektonisches Ornament modelliertes Gipsrelief hineingezogen, das die Malerei zugleich fortführt und unterbricht. Etwa im Bild „Nach Canaletto“ (Campo e la chiesa dei Gesuiti) ist das mehr als eine technische Neuerung, nämlich eine Potenzierung des irritierenden Spiels mit Fassade und Kulisse. (Galerie Lietzow bis zum 22. März, Katalog 10 Mark)

Katrin Sello

Bremen: „Moderne Kunst ans der Sammlung Thyssen-Bornemisza“

Eine Weltpremiere: zum erstenmal wird die moderne Abteilung der Sammlung ausgestellt, die Abteilung alte Kunst, eine der berühmtesten Privatsammlungen, kann man in Lugano besichtigen. Eine glanzvolle Kollektion, und in einem entscheidenden Punkt sogar der alten Abteilung überlegen: Bei den Alten Meistern muß selbst ein Thyssen sich mit dem gerade Erreichbaren zufriedengeben. Bei den Modernen kann er sich, wenn nicht das Beste, dann doch schon das sehr Gute aussuchen. Bei den „Brücke“-Künstlern etwa, die offenbar zu den Favoriten des Sammlers zählen, zwei wundervolle frühe Heckel-Landschaften (aus Dangast, 1907 und 1908) und eine Gruppe von Kirchner-Gemälden (sie kommen von R. N. Ketterer aus dem Lugano benachbarten Campione). Weitere Glanz- und Schwerpunkte: Nolde, Feininger, aber auch Max Ernst. Die Sammlung ist retrospektiv angelegt, Rückblick auf die klassische Moderne, sie endet da, wo etwa die Kölner-Sammlung Ludwig einsetzt, bei der Kunst der sechziger Jahre, mit wenigen Ausnahmen, wie dem Spiegel-Porträt von Francis Bacon. (Kunsthalle Bremen bis zum 30. März, Katalog 25 DM) Gottfried Sello

München: „Hundertwasser“

Friedensreich Hundertwasser, ein Künstler noch ohne besondere Merkmale, blickte eines Tages in den Spiegel und sah ein „seltsames Lächeln“: „Da wußte ich, daß ich ein Großer bin.“ Dies war das geheimnisvolle Zeichen, das ihm seine Berufung verkündete – und so zog er aus, die Welt durch das Ornament zu heilen. Die Vorstellungen des Malers von der verändernden Macht der Kunst mögen naiv sein, sein Sendungsbewußtsein jedoch ist echt – Friedensreich verkündet der Menschheit die Botschaft der Spirale, die er als Symbol des Lebens und des Todes versteht. Die potentiell unendliche Spirale, eine „vegetative“ Linie, die einen Mittelpunkt umkreist, ohne je an ihren Ausgangspunkt zurückzukehren, ist für ihn zu einer mystischen Existenzmetapher geworden – es ist kein Zufall, daß Hundertwasser in den fünfziger Jahren tantrische Mandates gemalt und eine Theorie des Transautomatischen Objekts (abgekürzt: „t.a.o.“, in Anspielung an das Tao der chinesischen Philosophie) entwickelt hat. Die Ausstellung, ein Überblick über das Gesamtwerk (einschließlich der wenig bekannten Gobelins nach seinen Entwürfen), zeigt die Verwandlung einer dekorativen und sensualistischen Malerei in eine Kunst der ornamentalen Verinnerlichung, die mit dem moralischen Anspruch auftritt, das Leben zu verbessern. Im Sinne seiner Mission durchaus konsequent, hat Hundertwasser seit langem die menschliche Umwelt in seine Überlegungen miteinbezogen – eine Reihe von Modellen demonstriert, wie er sich die Überwindung der inhumanen, rationalen Architektur vorstellt. Hundertwassers glückliche Menschen leben in einer Symbiose mit der Natur, in Häusern, die auf jeder Etage Wiesen und auf dem Dach einen Wald haben. Hundertwassers Architekturentwürfe besitzen den Charme des engagiert Dilettantischen, sie sind Ausdruck einer privaten Utopie. (Haus der Kunst bis zum 6. April, Katalog 25 Mark) Helmut Schneider