Von Jens Friedemann

Wie einst IOS-Chef Berni Cornfeld philosophierte er über Wirtschaft, Vermögen und die eigene Größe. Jetzt mußte auch er aufgeben. Heinz Mosch, Vater der Abschreibungsfonds und größter privater Bauunternehmer der Bundesrepublik, trat Ende vergangener Woche den Gang zum Konkursrichter an. Von seinem Imperium aus zahlreichen Verwaltungs-, Vermietungsfonds und Betreuungsgesellschaften ist außer den Immobilienfondsunternehmen nicht viel übrig geblieben.

Der Zusammenbruch signalisiert das Ende eines Booms, der den kleinen drahtigen Unternehmer aus Lotz zum millionenschweren Baulöwen machte: das Geschäft mit steuerbegünstigten Immobilienfonds. Als einer der ersten entdeckte der heute 51jährige die Möglichkeit, hohe Sonderabschreibungen, mit denen vor allem der Wohnungsbau in Berlin versüßt wird, über Kommanditgesellschaften einem breiten Kreis von Anlegern zugänglich zu machen. Überall schossen Mosch-Bauten aus dem Boden, darunter fast 60 Fondsobjekte, zwei Drittel davon in Westberlin.

Als Herr über 2500 Arbeitnehmer peilte Mosch 1972 bereits die halbe Umsatzmilliarde an. Die Pläne stiegen ins Gigantische. Für 350 Millionen Mark wollte er die Berliner Autobahn überbauen. Dann ging es aber bergab. Exotische Zinsen, der Ärger mit dem Mieterschutzgesetz, Hunderttausende von leerstehenden Wohnungen beendeten die Flucht in die Sachwerte. Mosch erlebte seine erste Fondspleite. Er konnte einen Immobilienfonds nicht mehr plazieren.

Einigen hundert Mosch-Kunden, die Bausparmittel für die Finanzierung der Anteile eingesetzt hatten, drohte Gefahr, ihre Bausparprämien- und Steuervorteile zu verlieren, da die Zeit ungenutzt verstrich. Rettung brachte in letzter Minute die Bremer Treuhand, eines der führenden Fondshäuser in der Bundesrepublik. Sie erwirkte bei den obersten Finanzbehörden eine Ausnahmegenehmigung und konnte den Mosch-Kunden trotz Fristüberschreitung einen eigenen Fonds anbieten. Die Bausparvorteile waren gerettet.

Skandal Nummer zwei folgte Mitte letzten Jahres. Mehrere hundert Kunden von drei westdeutschen Mosch-Fonds erhielten die vertraglich garantierte Auszahlung nicht mehr. Welchen Wert eine Mosch-Garantie besitzt, erfuhren die verdutzten Anleger per Rundschreiben. Der agile Unternehmer hatte sich hinter eine schwammige Vertragsklausel verschanzt, nach der die Garantie verfällt, wenn „wesentliche Änderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse“ eintreten. Ob dieser Tatbestand erfüllt ist und Mosch ungeschoren davonkommt, soll jetzt ein Richterspruch entscheiden.

Trotz der Affären hofft der Bauunternehmer, im Geschäft zu bleiben. Die meisten seiner Fondsobjekte sind fertiggestellt. Sie werden als wirtschaftliche und rechtlich selbständige Unternehmen vom Kollaps des Mosch-Imperiums nicht oder nur geringfügig getroffen. Separat laufen auch die Berlingeschäfte. Hier liegt das eigentliche Betätigungsfeld des Baulöwen.