Den wahren Hochgenuß empfindet ein Raucher, nicht beim bloßen Rauchen, sondern erst dann, wenn er von einem Lungenkrebstoten hört, der sein Leben lang nie geraucht hat. Dann genießt er alle Genüsse aller bis dahin gerauchten Zigaretten schadenfroh noch einmal; er nimmt es als Beweis dafür, daß Rauchen so gefährlich denn doch nicht sein kann.

Diesen Hochgenuß will die Landesregierung von Baden-Württemberg den Rauchern künftig nicht mehr gönnen. Sie hat ihre Ministerien zu besonderer Rücksichtnahme gegenüber Nichtrauchern aufgefordert. Drei Ministerien haben das Rauchen in Räumen, in denen Publikum verkehrt, schon verboten. Anders als jener schadenfrohe Raucher geht man in Baden-Württemberg nämlich von der richtigen Erkenntnis aus, daß Nichtraucher mit dem Rauch der anderen genau so viele Schadstoffe inhalieren, wie wenn sie selbst aktiv rauchten. Statt bloß Selbstmord kann Rauchen also Mord sein, auf jeden Fall aber mehr als – wie Goethe sagte – eine „arge Unhöflichkeit“.

Anderwärts mögen sich die Behörden zu einem ähnlichen Beschluß wie in Stuttgart noch nicht durchringen. Er wäre, sagt man beispielsweise in Hamburg,eine „mitbestimmungspflichtige Sache“. Wobei jedoch nur an die Mitbestimmung der Raucher gedacht wird, nicht an die der Nichtraucher. G. P.