Wie Textilmagnat Glöggler seinen Anteil an Philipp Holzmann zu verkaufen sucht

Was den Flicks mit ihren Daimler-Benz-Aktien im Großen so glücklich gelang, das versucht jetzt Hans Glöggler im Kleinen. Seit Wochen hält der Augsburger Textilkonzernherr Seine 25-Prozent-Beteiligung an der Frankfurter Philipp Holzmann AG feil. Und seit längerem hält er deshalb auch Gerüchte in der Schwebe, die von nahöstlichem Interesse an der mit 2,1 Milliarden Mark Umsatz größten deutschen Baufirma sprechen. „Wenn wir gut verkaufen können“, so bekräftigt Glöggler-Chefmanager Albert Flaitz, „dann tun wir es.“

Vor einer guten Woche sahen deutsche Börsianer Glögglers „Schachtel“, die sich der Augsburger in den vergangenen zehn Jahren Aktie für Aktie zusammengekauft hatte, bereits versilbert. Mit Hilfe der am Holzmann-Kapital von nominal 45 Millionen Mark ebenfalls mit über 25 Prozent beteiligten Deutschen Bank, so mutmaßten Börseninsider, habe der Augsburger sein 107 Millionen Mark schweres Paket über andere Kreditinstitute bei deutschen Unternehmen plaziert. „Wir haben noch nicht verkauft“, dementiert dagegen Glögglers Flaitz, „so ein wertvolles Paket gibt man nicht zu rasch ab. Uns pressiert’s nicht.“

Noch viel weniger Eile hat freilich die Deutsche Bank, mit der die Augsburger nach eigenem Bekunden im Gespräch stehen, „aber nicht über einen Verkauf“. Denn die Großbank scheint – arabisches Interesse hin, persisches her – nicht bereit, sich von dem gewiegten Taktiker Glöggler in das Pokerspiel um das Holzmann-Paket hineinziehen zu lassen. Auch wenn Flaitz schwärmt, die Holzmann-Aktie sei „in Relation zum Aktienkapital und zum Umsatz so gut wie das Daimler-Papier“: alles kann die Deutsche Bank, die erst einmal das von Flick übernommene Daimler-Paket verkraften muß, schließlich nicht kaufen.

Dabei hatte Glöggler, der sich mit dem 112 Meter hohen Augsburger Holiday Inn-Hotel bereits sein eigenes Denkmal gekauft hat, traditionell enge Beziehungen zur Deutschen Bank. Besonders gut waren sie, als das Institut im April 1973 Hans Glöggler, dessen Hausbank die Bank für Gemein Wirtschaft ist, durch den Verkauf einer Schachtel zur Mehrheit bei der Augsburger Kammgarnspinnerei verhalf. Der Newcomer konnte so seinen Konzern, der heute in der deutschen Textilindustrie die Spitzenposition einnimmt, weiter abrunden. Nun, mit den Holzmann-Gesprächen, haben sich diese Beziehungen offenbar etwas gedehnt: Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Franz Heinrich Ulrich, ließ Glöggler zu seinem guten Angebot aus Nahost schlicht „beglückwünschen“.

Glögglers Verkaufsversuche haben an der Börse eine Holzmann-Hausse ausgelöst. Der Kurs für die 50-Mark-Aktie stieg auf 474 Mark – gegenüber nur 412 Mark am vergangenen, Jahresende. Manager Flaitz ist deshalb zuversichtlich, daß die Zeit für Glöggler arbeitet: wenn man nur die Nerven behalte, lasse sich beim Verkauf der Holzmann-Schachtel bestimmt ein erheblicher Paketzuschlag erzielen.

Ob diese Rechnung aufgeht, steht indes längst noch nicht fest. Doch daß-die Araber Interesse an einem Unternehmen wie Philipp Holzmann haben, das jenseits der Grenzen recht erfolgreich operiert und im vergangenen Jahr sein Auslandsgeschäft mehr als verdoppelte, ist ziemlich sicher. Commerzbank-Sprecher Paul Lichtenberg hatte schon vor Monaten mitgeteilt, daß sich Saudi-Arabien um die bei seinem Institut liegende Schachtel der Essener Hochtief AG bemühe. Dabei spielte zwar eine Rolle, daß Hochtief einen riesigen Flugplatz in Saudi-Arabien baut. Aber auch Philipp Holzmann ist den nahöstlichen Ölpotentaten längst schon ein Begriff: Die Frankfurter Firma baut ebenfalls in Saudi-Arabien.