Wie Unternehmer die Probleme der Ausbildung sehen

Der Zwergbetrieb

Lehrlinge? Nein, mit Lehrlingen habe ich nur Ärger. Ich muß arbeiten, wenn die Kundschaft mich braucht, morgens früh, abends spät, auch mal am Samstag. Der Lehrling geht, wenn seine Zeit rum ist – Überstunden sind verboten. Zweimal im Jahr werden die Lehrlinge fünf Wochen zum Unterricht eingezogen; vier Wochen haben sie Urlaub. Ich sehe die Kerls noch keine 170 Tage im Jahr. Und wenn ich sie schief ansehe, dann sagen sie mir: ‚Ich gehe zur Gewerkschaft.‘ So richtig arbeiten wie wir, das wollen sie alle nicht mehr.“

Er ist Schuhmacher und hat zu meinem Glück nahe dem Pressehaus einen unscheinbaren Laden, drinnen ein kleines Angebot an Putzzeug, Schnürsenkeln und Gummiabsätzen. Auf einem Regal stehen sauber aufgereiht einige Dutzend reparierte Schuhe. Wenn’s eilt, kriegt man seine Schuhe am nächsten Tag zurück; spätestens in drei Tagen will er sie wieder loswerden. Er ist etwa 60 Jahre, freundlich und zufrieden.

„Sind Sie Meister?“ hatte ich ihn gefragt.

„Natürlich.“

„Haben Sie Lehrlinge?“