Stellen Sie sich vor, Sie wollen nach Rumänien reisen. Sie wollen eine Verwandte besuchen, die Rumänin ist, in Bukarest lebt und Sie schon oft eingeladen hat. Sie haben ihr von dem beabsichtigten Besuch geschrieben und Antwort erhalten, daß sie sich freue. Also haben Sie den Flug via Bukarest und zurück gebucht.

Eine Woche später lesen Sie in der Zeitung, daß in Rumänien westliche Touristen nicht mehr in Privatunterkünften wohnen dürfen. Sie rufen Ihr Reisebüro an und werden beruhigt: Diese neue Regelung besage nur, daß Privatleute keine Zimmer mehr an westliche Touristen vermieten dürfen. Gelassen sehen Sie Ihrem Abreisetermin entgegen. Bis Sie ein paar Tage vorher einen Brief von der rumänischen Verwandten bekommen: Leider könnten Sie nun doch nicht bei ihr wohnen, und ob sie Ihnen schnell ein Hotelzimmer suchen solle.

Sie kennen Ihre Verwandte genau und wissen, daß der Grund für die Absage ein anderer als der sein muß, daß das Wohnzimmersofa ihr plötzlich als nächtliche Ruhestatt für Sie zu schade ist. Sie möchten den Grund wissen. Deshalb rufen Sie das Rumänische Touristenamt in Frankfurt an und fragen: Darf man in Rumänien als westlicher Tourist privat wohnen oder darf man nicht?

Der freundliche Herr vom Rumänischen Touristenamt findet, daß, man das so nicht sagen dürfe, daß man das anders sehen müsse: daß nämlich die Unterbringungsmöglichkeiten in Rumänien so sehr verbessert werden konnten, daß niemand mehr in Privatunterkünften zu wohnen brauche, daß alle ausländischen Besucher in organisierten Unterkünften, in guten Hotels, untergebracht werden können. Aber, entgegnen Sie, ich will ja gar nichts mieten, sondern ganz einfach Verwandte besuchen. Und Sie hören, daß Sie auch das können: bei nahen Verwandten wohnen, und bereitwillig erklärt Ihnen der freundliche Herr, was unter „nahen Verwandten“ zu verstehen ist: Eltern, Kinder, Geschwister und deren Kinder.

Spätestens jetzt müssen Sie einsehen, daß Sie nie erfahren werden, wie man auf dem Wohnzimmersofa der rumänischen Cousine seiner Schwiegermutter nächtigt. Marlies Menge