"Fritz Kochers Aufsätze", von Robert Walser

In diesen ersten, um 1900 entstandenen Arbeiten des Schweizer Dichters Robert Walser macht sich Fritz Kocher, Schüler der zweiten A-Klasse, Aufsatz-Gedanken über Gott und die Welt, über die Armut und den Herbst, über die Höflichkeit und den Nutzen der Schule: "Die Schule ist mir lieb. Ich gebe mir Mühe, das gutwillig zu lieben, von dessen Notwendigkeit man mich von allen Seiten stumm überzeugt hat." Auf mich haben diese scheinbar naiven, vorsätzlich bedeutungslosen Aufsätze immer eine hypnotische Wirkung ausgeübt – Sätze wie dieser, ‚bei denen man so schön den Verstand verlieren kann: "Ich bekümmere mich nicht, was in Fabriken gemacht wird. Ich weiß nur, daß alle armen Leute in der Fabrik arbeiten, vielleicht zur Strafe, daß sie so arm sind." (it 63, Insel Verlag, Frankfurt, 1975; 156 S., 6,– DM.)

Christian Schultz-Gerstein

"ABC der Bildungsreform", von Rosemarie Schneider-Andree

Was der Bildungsrat ist oder die Bielefelder Laborschule, warum eine Fernuniversität nicht mit dem Medienverbund verwechselt werden darf, das wird in diesem schmalen Band fast ganz ohne das immer wieder zu Recht gescholtene Bildungs-Chinesisch sehr lesbar und verständlich dargestellt, vielleicht manchmal ein bißchen zu stark gerafft Die Auswahl der Stichwörter ist angemessen, so daß ein höchst nützliches Nachschlagewerk vorliegt für alle, die es immer schon nicht ganz so ausführlich wissen wollten. (Klett Verlag, Stuttgart, 1974; 139 S., Abb., 8,– DM.) Hayo Matthiesen

"Albert Schweitzer – Größe und Grenzen – Eine kritische Würdigung des Forschers und Denkers", von Helmut Groos

Schweitzer schrieb einmal: "Die höchste Ehre, die man einem Denksystem erweisen kann, besteht darin, es rücksichtslos zu prüfen, um zu ergründen, wieviel Wahrheit es enthält." Für den vierundsiebzigjährigen Philosophen und sehr guten Theologiekenner Helmut Groos ist dies die Magna Charta seines bisher umfassendsten Versuches, Schweitzers wissenschaftliches Werk zu werten. Die Kulturphilosophie kommt als Denksystem äußerst schlecht weg; die Beweisführung zur Eschatologie Jesu wird in den Abfalleimer der neutestamentlichen Forschung getan – wobei sich Schweitzers Denkergebnis (Jesus habe endzeitlich gedacht) paradoxerweise durchgesetzt hat und von Groos auch anerkannt wird. Den beiden theologischen Hauptwerken Schweitzers gibt der Autor, ungeachtet herber Einzelkritik, den Gütestempel "wissenschaftliche Weltliteratur". Die Positionen des Verfassers verdienen wegen der Sorgfalt, wissenschaftlichen Redlichkeit und Arbeitsleistung (3400 Anmerkungen!) auch noch im Zweifel Respekt. Ein Standardwerk. (Ernst Reinhard Verlag, München, 1974; 841 S., 58,– DM.) Harald Steffahn