Von Carola Kaps

Uncle Sam needs you“, mit diesem Slogan warb die amerikanische Armee seit Generationen um die Gunst widerstrebender Jugendlicher. Heute hat sich das Bild gewandelt: Seit Monaten stehen amerikanische Jugendliche vor den Rekrutierämtern der Streitkräfte Schlange; herrschte vor zwölf Monaten noch echter Personalmangel, so können sich heute Heer, Luftwaffe und Marine aus dem Überangebot der Freiwilligen die Besten heraussuchen.

Aber nicht nur die Streitkräfte, auch die Bundesregierung soll helfen. „We want jobs now“, wir brauchen jetzt Arbeitsplätze – forderten zehntausend Automobilarbeiter, die in der letzten Woche zu einer Protestkundgebung nach Washington strömten. Daß ihr Wunsch bald in Erfüllung geht, ist recht unwahrscheinlich. Seit September ist die Industrieproduktion um 9,5 Prozent zurückgegangen, allein im Januar um 3,6 Prozent. Das war der tiefste Einbruch seit 1937.’

Geht es nach dem New Yorker Senator Javits, so werden noch in diesem Jahr durch den Staat eine Million Arbeitsplätze mit einem Kostenaufwand von 7,6 Milliarden Dollar geschaffen. All dies erinnert in fataler Weise an die große Depression der dreißiger Jahre, als die Regierung Roosevelt für 8,5 Millionen Arbeitslose zum rettenden Arbeitgeber wurde.

Drohen wieder ähnliche Zeiten und Zustände? Das amerikanische Arbeitsministerium mußte in der letzten Woche einen neuen Nachkriegsrekord bekanntgeben: 7,5 Millionen Amerikaner oder 8,2 Prozent der Erwerbstätigen wurden im Januar als arbeitslos registriert. Das hatte es seit 1941 nicht mehr gegeben.

Allein während der letzten fünf Monate verloren über 2,5 Millionen Arbeitnehmer ihren Job. Aufschlußreicher, aber auch besorgniserregender als die absolute Zahl der Arbeitslosen sind die Einzelstatistiken, die die verzweifelte Lage einiger besonders hart betroffener sozialer Gruppen beleuchten: So waren beispielsweise elf Prozent aller Fabrikarbeiter (blue collar worker) ohne Arbeit; 8,1 Prozent aller Frauen suchten vergeblich nach einer Beschäftigung; 13,4 Prozent der Schwarzen lagen arbeitslos auf der Straße; 20,8 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren mußten die Arbeitsplatzsuche erfolglos aufgeben. Von den schwarzen Teenagern waren sogar 38 von hundert arbeitslos. Kein Wunder also, daß der Militärdienst bei Jugendlichen heute wieder attraktiv geworden ist, sichert er doch Unterkunft, Nahrung, Kleidung und festes Einkommen.

Hinter der statistischen Globalzahl der Arbeitslosen verbergen sich oft soziale Katastrophen. Wo Rezession und Ölembargo, industrielle Fehlplanung und plötzliches Desinteresse der Verbraucher zusammenkommen, massierte sich die Arbeitslosigkeit: 24 Prozent aller Automobilarbeiter (oder mehr als 250 000 Arbeiter und Angestellte der Branche) gehen teilweise seit Monaten stempeln. Im Baugewerbe kletterte die Arbeitslosenrate auf 19,8 Prozent und im konjunkturabhängigen Textilbereich sind heute ebenfalls mehr als 19 Prozent der Arbeitnehmer zur Untätigkeit verurteilt. In der Stadt Newark mit ihrem hohen Anteil an farbigen Bewohnern, kletterte die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent.