In der SPD gewinnt die Gegen bewegung gegen linke Dogmatiker an Boden

Von Sepp Binder

Sie geben sich lautstark, doch der Genosse Frust schleicht durch die Reihen. Wenige Tage vor ihrem Bundeskongreß in Wiesbaden schlagen sie zwar kräftig auf die SPDgetragene Regierung und die eigene Parteimitte ein, hinter der kruden Kraftmeierei jedoch macht sich Nervosität breit: Die Jungsozialisten sind auf ihrem forschen Weg von der Jugendorganisation zur Richtungsorganisation innerhalb der SPD in die Defensive geraten. „Die Bedingungen für die Jungsozialisten-Arbeit“, so der frühere Juso-Vorsitzende Wolfgang Roth lapidar, „haben sich außerordentlich erschwert.“

Mit Durchhalteparolen hingegen versucht die jetzige Juso-Chefin Heidemarie Wieczorek-Zeul ihre Genossen zu mobilisieren. „Nicht resignieren – verstärkt weiterarbeiten“, so forderte sie in einem Rundschreiben an alle Juso-Gruppen. Und zum bevorstehenden Wiesbadener Kongreß legten sich die Junggenossen erneut ein ganzes Bündel hochexplosiver Anträge auf den Tisch.

Mit Marx gegen die Macher

Auf der bisherigen marxistischen Linie einer „systemüberwindenden“ Strategie werden SPD und Bundesregierung geziehen, Scheinreformen und Oberflächenkosmetik auf Kosten sozialdemokratischer Grundsätze zu betreiben. Gesellschaftliche Konflikte würden durch die Regierungspolitik bloß vertuscht, der Kapitalismus nicht nur funktionsfähiger gemacht, sondern kapitalistische Interessen sogar eindeutig bevorzugt: „An die Stelle der Reformierung tritt zunehmend bloße Verwaltung des Kapitalismus.“ Nicht zuletzt wird Bundeskanzler Schmidt attackiert, er habe Reformen als „nicht machbar“ zurückgenommen. Mit Marx ziehen die Jusos gegen die Politik der Macher ins Feld. Sie fordern die Vergesellschaftung des Finanzsektors sowie der Schlüsselbereiche im Industrie-, Handels- und Dienstleistungssektor; außerdem verlangen sie nach „gesamtgesellschaftlicher demokratischer Planung und Investitionslenkung“.

Alles in allem bleiben die Jusos konsequent. Sie wollen sich nach den Worten ihrer Vorsitzenden weder „taktisch mäßigen“ noch gar von der SPD „in die Pflicht nehmen.“ lassen. Der eigene Weg als Partei in der Partei soll theoretisch wie organisatorisch gewahrt bleiben.