Von Paul Schulz

Diese Artikelserie stellt sich zwei Aufgaben:

– Sie versucht, die Gründe dafür einsichtig zu machen, warum der Theologe heute angesichts der modernen Naturwissenschaften von Gott nicht mehr in althergebrachten Formeln zu reden vermag.

– Sie versucht darüber hinaus einen Weg zu zeigen, der es dem modernen Menschen ermöglicht, Gott in seinem Erfahrungsbereich neu zur Sprache zu bringen.

Dr. theol. Schulz ist Pastor an der Hauptkirche St. Jacob! in Hamburg

Unser Einstieg in das Thema „Gott“ über das Alte Testament soll ein Argument ausräumen, das immer wieder die offene theologische Diskussion erstickt. Wir meinen die Annahme, die biblischen Aussagen zum Thema Gott seien einheitlich, in sich abgeschlossen und damit unantastbar. „Die Bibel sagt“ – als ob wir es hier mit einer Autorität zu tun hätten, die die Gottvorstellung ein für allemal verbindlich festlegt und folglich neue Beschreibungsversuche legitim abblockt.

Dabei wird bewußt übersehen, daß mit der Bibel eine Dokumentation über einen jahrhundertelangen geistigen Entwicklungsprozeß vorliegt, in dem die jeweiligen Zeitstufen jeweils neue Denk- und Glaubensstationen darstellen. Nichts ist der Bibel deshalb fremder als das Statische, das Endgültige, das Totale. Vielmehr ist sie ein Fluß permanenter Reflexion, voller Veränderungen, voller Neuansätze.