Von Heinz Michaels

Das Paradestück der Bundeswehr, der „Leopard“-Panzer, soll im kommenden Jahr beweisen, daß er nicht nur europäische Flußläufe durchfahren, sondern auch einen Ozean überwinden kann: Das amerikanische Verteidigungsministerium hat entschieden, daß der „Leopard 2“ an der Truppenerprobung der amerikanischen Armee zur Auswahl ihres künftigen Kampfpanzers teilnimmt.

Bei der Panzerschlacht in Amerika werden sich somit drei Gruppen befehden. Denn neben den Bundeswehr-Leoparden, entwickelt und produziert von der Krauss-Maffei AG, werden noch Prototypen von Chrysler und General Motors teilnehmen. Der Preis, um den es bei diesem Kampf geht, ist hoch: Der Auftrag, den die amerikanische Armee zu vergeben hat, wird auf 15 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Als Amerikas Verteidigungsminister James R. Schlesinger im Herbst letzten Jahres die Bundesrepublik besuchte, bekam er auf dem traditionsreichen Truppenübungsplatz Munsterlager auch einige der bisher vorhandenen Prototypen des Leopard 2 vorgeführt. Die-Demonstration beeindrückte ihn so, daß er nach seiner Rückkehr ins Pentagon die Teilnahme des Leoparden an den XM-1-Tests der Armee vorschlug.

Lange Zeit verlief das Waffengeschäft zwischen Amerika und Europa auf einer Einbahnstraße. Die Amerikaner lieferten die Erstausstattung mit Panzern für die Bundeswehr und die meisten Flugzeuge für die Luftwaffe. Umgekehrt konnten deutsche Firmen jedoch keine Großaufträge aus den USA buchen. Die Bestellung der deutsch-französischen Rakete „Roland II“ für die Tieffliegerabwehr im Herbst letzten Jahres war der erste Durchbruch.

Schlesingers Entschluß ist nun der zweite Schritt zum Umdenken in Amerika. Dazu trägt wesentlich bei, daß auch die Amerikaner sich militärisch nicht mehr alles leisten können – koste es, was es wolle –, sondern ihre Rüstungsdollar ökonomisch anlegen müssen. Chrysler wie General Motors kalkulieren, daß sie für den künftigen Kampfpanzer einen Preis von 1,9 Millionen Dollar pro Stück (die Entwicklungskosten eingeschlossen) berechnen müssen, Für den Leopard wird heute noch ein Preis von 2,2 Millionen Mark genannt, also etwa eine Million Dollar.

Ein Leoparden-Sprung über den Atlantik wäre der Höhepunkt in der Erfolgs-Story dieses Waffensystems aus den Werkstätten des Flick-Konzerns, Und er widerlegt die Besorgnis, die der Hauptankläger bei den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen, Robert H. Jackson, 1946 an den Tag legte.