Sehenswert:

„Ich war – Ich bin – Ich werde sein“ von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Der zweite Chile-Film der Dokumentaristen aus der DDR nach „Der Krieg der Mumien“ entstand unter abenteuerlichen Umständen in den Konzentrationslagern der Pinochet-Junta. Formal bemerkenswert diszipliniert berichten Heynowski und Scheumann von der Situation der politischen Gefangenen, vermeiden sensationelle Effekthascherei und wohlfeile Emotionalisierung. Bei den kurzen unter ständiger Bewachung geführten Gesprächen mit den Häftlingen – stereotype Fragen: Wie lange sind Sie schon hier, haben Sie einer politischen Partei angehört? – dient die Kamera als bescheidener Zeuge, identifiziert die Opfer, entlarvt in verschlissenen, trotzigen Gesichtern indirekt die Brutalität des Regimes. Die Autoren verbinden ihren spröden Report mit einem Abriß der Geschichte der chilenischen Arbeiterbewegung. Ihr Film will „das Pinochet-Regime geschichtlich relativieren, seine vorübergehende Existenz, seine Vergänglichkeit bewußt machen“. Überflüssig, gelegentlich sogar peinlich wirken angesichts des eindrucksvollen Materials einige abgedroschene Polit-Phrasen im Kommentar, zumal im Zusammenhang mit Texten von Pablo Neruda.

Beachtlich:

„Die cleveren Zwei“ von Sergio Corbucci. Hoch klingt das Lied vom Ritter der Landstraße, doch der Regisseur von „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ singt es erstaunlich realistisch und politisch differenziert. Michel Constantin und Giancarlo Giannini spielen zwei italienische Fernfahrer, die sich nach allerlei Fährnissen einen eigenen Laster kaufen, als Streikbrecher isoliert werden, mit der Mafia zu tun bekommen und fast ihre Existenz verlieren. In seinem ersten ordentlichen Film seit fünf Jahren betont Corbucci immer wieder die Notwendigkeit der Solidarität. Neben dem genauen Porträt einer Arbeitswelt und ihrer Regeln ist „I Bestioni“ die Geschichte einer Männerfreundschaft, wie sie sich so schön und selbstverständlich eben nur im Kino ereignet. Constantin, der wortkarge Veteran, und Giannini, das lustige Greenhorn, sind Typen, denen man gern zuschaut. Giuseppe Rotunno, Viscontis Kamera, mann bei „Rocco und seine Brüder“ und „Der Leopard“, hat den Film stimmungsvoll Photographien.

Mittelmäßig:

„Frank und Eva“ von Pim de la Parra. Frank geht fremd und säuft. Eva greint und geifert und legt sich ihrerseits einen Hausfreund zu. Man küßt sich und man schlägt sich und kommt doch nicht voneinander los. „Living apart together“ heißt im Untertitel dieser holländische Beitrag zum Zyklus der neuen Ehefilme. Ziemlich vage, modisch ‚ verquält und stilistisch uneinheitlich filmt sich de la Parra einige autobiographische Probleme von der Seele. Zusammen mit, seinem Partner Wim Verstappen hat er schon erheblich bessere Filme gemacht. Hier zeigt sich nur Willeke van Ammelroy in Normalform, der aufregende Star des holländischen und belgischen Films.

Empfehlenswerte Filme: