Das Frankenland, viel besungen und berühmt, mit touristischen Attraktionen gut bestückt, hat natürlich auch seine unbekannten, vernachlässigten „Hinterhöfe“. Jedermann preist Würzburg, Bamberg, Nürnberg, das Weinland am Main, die Fränkische Schweiz, das Altmühltal, das Fichtelgebirge, Steigerwald, Spessart und Frankenwald, ja sogar die Rhön findet ihre Liebhaber; aber wer fragt schon nach dem Rangau?

Es ist das Gebiet zwischen Rednitz und Regnitz, Aisch und Altmühl, mit Fürth, Forchheim, Neustadt, Windsheim, Ansbach und Roth als „Grenzstationen“. Ganz zu Unrecht hat man den Rangau bisher links liegengelassen, denn wer beispielsweise Sinn für Geschichte und Kunst hat, findet hier aus der Zeit der Markgrafen, Reichsstädte und Orden zahllose sehenswerte Baudenkmäler: Schlösser und Residenzen, Kirchen, Klöster, Rats- und Bürgerhäuser, Marktplätze, Park- und Befestigungsanlagen. In manchen der kleinen Dörfer und Städtchen trifft man bis auf den heutigen Tag auf leibhaftiges Mittelalter.

Diese Landschaft und ihren Reichtum darzustellen, hat sich der 27. Band der „Bibliothek Deutsche Landeskunde“ zur Aufgabe gemacht:

„Rangau-Franken“, Landschaft, Geschichte, Volkstum, Kultur, Kunst, von Wilhelm Malter; Glock und Lutz, Nürnberg, 552 Seiten, 140 Abbildungen, Karte, Register, 45 Mark.

Eine „Gesamtschau“. nennt der Verlag diesen Führer, man muß freilich ergänzen: eine einseitige Schau. Wilhelm Malter zählt einen Ort nach dem anderen auf, historische Daten, Kirchen und öffentliche Gebäude sind dabei alles, was der Leser findet. Wird ausnahmsweise einmal eine „Einstimmung“ zum besten gegeben, dann enthält sie so ausdrucksstarke Sätze wie diesen: „Ansbach hat den Blick mehr ins Vergangene gerichtet, wenn man auch andererseits der Stadt das Fortschrittliche nicht absprechen kann.“

Schlimmer noch ist das völlige Fehlen jeglicher touristischer Informationen, nichts über Verkehrswege, kein Wort, wo man schläft, ißt, trinkt; und das ausgerechnet in einer Landschaft, wo Essen und Trinken wirklich noch erwähnenswert sind. Typisch für diesen uninformativen historisierenden Text ist eine Bemerkung über Iphofen: „Daß der Wein hier eine große Rolle spielt, dürfte bei der Nähe der südseitigen Wingerte einleuchtend sein.“ Daß in Iphofen eines der berühmtesten Gasthäuser des Frankenlandes, der „Zehntkeller“, liegt, ist keiner Erwähnung wert. Ein Reiseführer ist dieser Band „Rangau-Franken“ wirklich nicht, Lust zum Reisen machen allenfalls die zum Teil ausgezeichneten Photos. F. R.