Es hätte wunder genommen, wenn Portugal und Griechenland, die beiden Länder, die im vorigen Jahr den Sprung aus der Diktator in die Demokratie gewagt haben, auf dem Wege zur demokratischen Praxis nicht Hürden und Hindernissen begegnet wären. In Portugal droht die Gefahr eher von links; die Militärs als Hüter des Sozialrevolutionären Auftrags zeigen wenig Lust, vor einem gewählten Parlament in die Kasernen zurückzuweichen. In Griechenland droht die Gefahr von rechts; da geraten, immer wieder Offiziere, die sich dem Obristen-Regime wehmütig verpflichtet fühlen, in die Versuchung, gegen die neue Demokratie zu putschen.

In Athen sitzen die Offiziere am kürzeren Hebel. Konstantin Karamanlis hat darum auch nicht lange gefackelt. In Lissabon hingegen sind die Militärs in der stärkeren Position. Was am Ende wird, steht noch dahin. Der Unterschied erklärt sich, auch daraus, daß es in Griechenland wiederbelebbare demokratische Strukturen gab – die Diktatur war nur Episode. In Portugal war sie eingefahrene Lebensweise – die Demokratie steckt dort bisher noch im Versuchsstadium.

Beide Länder sehen sich im übrigen einem gemeinsamen Problem gegenüber: Wie setzt man die alten Anhänger der Diktatur an die Luft? Da gibt es die wirkungsvolle, wiewohl rechtlose Methode, einfach umzulegen, was dem verhaßten Regime gedient hat – so machten es die Franzosen nach der Befreiung mit ein paar Hunderttausend Kollaborateuren. Oder man läßt sich auf den Rechtsweg ein, mit all seinen Sackgassen, Nebenalleen und Hintertürchen – die Entnazifizierung in Deutschland bietet ein Beispiel dafür. Portugiesen wie Griechen haben bisher die Brutalität der ersten Methode gescheut und sich auf die zweite verlassen. Karamanlis ist dabei in der Tat zu behutsam gewesen. Der Putsch versuch mag da Wandel schaffen. ts