KHD-Chef Karl-Heinz Sonne ist Spitzenkandidat für den Aufsichtsratsvorsitz bei MBB

Vor zehn Jahren vertrieb ihn der Föhn aus München. Doch möglicherweise wird Karl-Heinz Sonne, damals Vorstandsvorsitzender bei BMW und seitdem und noch bis Mitte des Jahres Chef der Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) in Köln, sich künftig wieder öfters in der Bayerischen Hauptstadt aufhalten: Der eigenwillige Westfale steht obenan auf der Liste der Industriemanager, die für den Aufsichtsratsvorsitz bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), dem größten deutschen Luft- und Raumfahrtunternehmen, in Frage kommen. Zum drittenmal innerhalb von eineinhalb Jahren ist nämlich – nach dem Tod von Hans Peter, dem Präsidenten der Bayerischen Bundesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) – dieser aufreibende Ratsposten wieder vakant.

Die Nachricht, daß Sonne neuer MBB-Aufsichtsratschef werden soll, hat selbst MBB-Gesellschafter überrascht. „Das ist eine furchtbare Schwatzbude“, erregte sich ein Aufsichtsratsmitglied; von einer Einigung auf Sonne könne noch nicht die Rede sein. „Es gibt eine lange Liste von fast zwanzig Namen, auf der praktisch alle Vorstandsvorsitzenden stehen, die demnächst ‚retirieren‘.“ Siemens-Chef Bernhard Plettner, dessen Konzern bei MBB mit knapp 8,4 Prozent beteiligt ist, soll erst aus der Zeitung erfahren haben, daß Sonne favorisiert wird.

Da der bayerische Staat einschließlich des Anteils der LfA bei MBB mit 13,7 Prozent engagiert ist, hat er bei der Wahl ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Doch auch im bayerischen Finanzministerium ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen.

Auf jeden Fall müßte der neue MÖB-Aufsichtsratsvorsitzende zunächst von einer der acht Gesellschaftsgruppen nominiert werden. Da der Freistaat Bayern nach dem Tod Peters noch mit Minister Huber und Staatssekretär Franz Sackmann im MBB-Aufsichtsrat vertreten ist, wäre es denkbar, daß der neue Mann sozusagen aufs bayerische „Kontingent“ kommt.

Nach Meinung des Vorsitzenden der MBB-Geschäftsführung Ludwig Bölkow, der selbst mit 13,4 Prozent an dem Luftfahrtkonzern beteiligt ist, spricht für Sonne vor allem dessen industrielle Erfahrung. Doch wer von den Gesellschaftern und Aufsichtsräten auf Sonne als aussichtsreichsten Kandidaten gekommen ist, weiß auch „Technosoph“ Bölkow nicht: „Ich war in letzter Zeit Skifahren.“ Einer der MBB-Aufsichtsräte räumt immerhin ein, daß Sbnne, der sich gegenwärtig im Ausland auf „Tauchstation“ hält, „ernsthaft in Erwägung gezogen“ wird. Er lobt den „common sense“ des KHD-Managers und glaubt, daß „die meisten Leute keine Einwendungen gegen ihn haben werden“.

Manager Sonne, der einst den Bayerischen Motorenwerken nach ihrer Sanierung das betriebswirtschaftliche Korsett verpaßte und danach mit zäher Arbeit, aber auch Fortune, den kriselnden KHD-Konzern aus dem Gröbsten herausgebracht hat, bringt in der Tat Voraussetzungen mit, die ein Chairman in der MBB-Zentrale in Ottobrunn bei München haben sollte: Härte, Verhandlungsgeschick und Unabhängigkeit – aber auch genügend Zeit für den neuen „Quasifulltime-job“ (so MBB-Aufsichtsrat Peter Pfeiffer).

Befreit scheint Sonne zudem von seiner Föhnfühligkeit von ehedem: Künftig will er auf alle Fälle die meiste Zeit in seinem neuen Haus am Tegernsee verbringen – in unmittelbarer Nähe Münchens. Hermann Bößenecker