Henry Kissinger, gebeutelt, durch seine Erfahrungen mit dem Vietnam-Vertrag und einem machtbewußten Kongreß, ist vorsichtig geworden. Die Chancen für ein zweites israelisch-ägyptisches Entflechtungsabkommen, so urteilte er skeptisch, stünden fünfzig zu fünfzig.

Indessen sind die Aussichten für den nächsten kleinen Schritt in Richtung eines Nahost-Friedens gar nicht so schlecht. Der erste Entspannungsversuch auf dem Sinai und, dem Golan hat seine Probe bestanden; es gab nur geringfügige Grenzverletzungen. Nach Kissingers jüngster Erkundungsfahrt scheint festzustehen, daß sich Ägypter und Israelis zu einem neuen Kompromiß finden werden. Sogar die störrischen Sowjets vermochte er von der Notwendigkeit eines neuen Teilabkommens in der Sinai wüste zu überzeugen; erst danach soll in Genf um die „große Lösung“ gerungen werden. Und nun hat auch Syriens Präsident Assad Israel zum erstenmal Friedensbereitschaft signalisiert.

Gleichwohl bleiben die Zweifel. Im nahöstlichen Krisenherd stecken noch viele Brandsätze Bis jetzt aber hatte Kissinger mit seinem Rezept Erfolg: durch Entkrampfung allmählich ein Klima zu schaffen, das den Frieden möglich macht. D. St.