Düsseldorf: „Konrad Klapheck“

Die große Klapheck-Retrospektive, vorher in Rotterdam und Brüssel, jetzt in seiner Heimatstadt. Neunzig Bilder aus zwanzig Jahren, angefangen bei der berühmten „Schreibmaschine“ von 1955, mit der Klapheck sein Thema ein für allemal gefunden hat, bis zur derzeit letzten Maschine, dem Ventilator alias „Spaßvogel“ von 1974. Klapheck, der Maschinenfetischist, hat die Maschine vermenschlicht, sie zur Chiffre mitmenschlicher Verhaltensweisen umfunktioniert. Das Vergnügen an seinen Bildern resultiert einerseits aus der kühlen, akribischen Malerei, andrerseits aus dem psychologisierenden Titel, der dem Betrachter auf die Sprünge hilft. Wer würde ohne solche Hilfe in der Singer-Nähmaschine die „gekränkte Braut“ und im Dampfbügeleisen den „Hausdrachen“ erkennen? Das „Bügeleisen“ steht hier für übertriebene weibliche Ordnungsliebe. Eine Frau, die ihre Familie mit dem Putzfimmel tyrannisiert. Bohrmaschinen assoziieren Law and Order, Planierraupen „Glanz und Elend der Reformen“. Das maschinelle Repertoire ist ebenso unerschöpflich wie der Vorrat an surrealistischen Pointen. Die Vorstellung, Klapheck selber könnte des Spiels ohne Ende überdrüssig werden, wird durch die Ausstellung eindeutig widerlegt. (Städtische Kunsthalle, bis zum 31. März, Katalog 20 Mark)

Gottfried Sello

Köln: „Edward Rusha“

Seit der Düsseldorfer Video-Galerist Gerry Schum, der 1969 mit seiner Fernseh-Galerie die Land Art vorgestellt hatte, im Frühjahr 1973 starb, lag das von ihm bewußt gemachte Modell („Kunst als Ablauf“) brach. Durch Unterstützung der beiden rheinischen Galeristen Fischer und Ricke etablierte sich seine Frau Ursula Wevers mit einem „Projection“ betitelten Unternehmen in Köln als Künstlerfilm-Galeristin. Um einzelne Protagonisten der zeitgenössischen Kunstszene komplexer präsentieren zu können, fusionierten jetzt – nach bisher nur gelegentlichen Kooperationen – die progressive Galerie von Rolf Ricke und Ursula Wevers „Projection“. Sie bezogen ein riesiges Kellergeschoß und demonstrierten ihre gemeinsame Intention am Beispiel Edward Rusha: 19 Rusha-Bilder mit typographisch attraktiv gesetzten, methodisch verfremdeten Slogans, dazu das bisherige Gesamtwerk des Filmers Rusha mit der europäischen Erstaufführung von „Miracle“, einem 30-Minuten-Opus, das satirisch konventionelle Erwartungshaltungen gegenüber dem Hollywood-Gestus durch Auflösung ins Esoterische kontrapunktiert. Das Wichtigste an dieser Premiere ist freilich die Tatsache, daß Ursula Wevers auf der Basis dieser neuen Galerie-Konstellation von nun an systematisch und konsequent die Video-Arbeit von Gerry Schum fortsetzen wird – unter anderem auch durch wöchentliche öffentliche „Sicht“-Veranstaltungen mit Video-Bändern aus dem etwa 75 Projekte umfassenden bisherigen Repertoire, schließlich vor allem jedoch auch durch neue Videokunst-Produktionen. Die Bedingungen sind heute wesentlich günstiger als zu Schums Lebzeiten, weil es inzwischen ein jedermann zugängliches Gerät zu kaufen gibt, mit dem sowohl Bänder aus den USA wie europäischer Provenienz reproduzierbar sind. (Galerie Ricke, Wevers, bis zum 5. März) Klaus U. Reinke

München: „Goethe als Theaterleiter“

Theaterhistorische Dokumentationen haben mit der Schwierigkeit zu kämpfen, daß sie die Aufführungen selber wiederherzustellen nicht imstande sind. Regieprotokolle, Bühnenbild- und Kostümentwürfe können nur eine abstrakte Vorstellung von der Art vermitteln, wie und in welchem Gewand sich die Schauspieler in einer bestimmten Dekoration bewegt haben. Der agierende Mensch selber wird nur indirekt sichtbar: auf Bildern, die szenische Arrangements wiedergeben, die Gebärden und Haltung von Schauspielern im Moment des dramatischen Höhepunkts zeigen; so lassen sich immerhin die Existenzbedingungen einer Bühne und die künstlerischen Maximen der Theaterarbeit erklären. Die Ausstellung, zusammengetragen amDüsseldorferGoethe-Museum, im Münchner Theatermuseum um wichtiges Bildmaterial aus eigenen Beständen erweitert, macht dies am Beispiel von Goethes Weimarer Theater deutlich. Im Mittelpunkt steht dabei Goethes Absicht, vor allem in den Jahren der Zusammenarbeit mit Schiller, einen eigenständigen Weimarer Bühnenstil zu entwickeln, Weimar zur deutschen „Musterbühne“ zu machen. Der Entwurf dieses klassizistischen Bildungstheaters zielte auf die Errichtung eines lebendigen Museums der dramatischen Weltliteratur, die inszenatorische Verwirklichung tendierte zu einem formelhaft sich verhärtenden bildmäßigen Reliefstil, der van Werken der Bildenden Kunst entscheidende. Impulse erhalten hat Im Weimarer Theater Goethes wurzelte der Bühnenhistorismus des neunzehnten Jahrhunderts. (Theatermuseum, bis zum 6. April, Katalog 20 Mark)