Von Gunhild Freese

Das Wort Fußball kann er „bald nicht mehr hören“, das Geschäft Fußball freilich fasziniert ihn mehr denn je: Peter Krohn, Diplomkaufmann, Doktor der Betriebswirtschaft und seit genau 15 Monaten Präsident des Hamburger Sport-Vereins e.V. (HSV). Er ist oberster Sportwart von 26 Amateurabteilungen mit über viertausend Mitgliedern. Doch der 27. Abteilung gilt zweifellos sein Hauptaugenmerk: den Profifußballern des HSV, derzeit auf Platz acht der ersten Fußball-Bundesliga, immerhin punktgleich mit den drei vorplazierten Vereinen. Grund für das besondere Engagement für den Profifußball: Er ist der einzige Profit-Bringer des Unternehmens HSV.

Das war nicht immer so. Als sich Peter Krohn, zuvor Chef der „Neuen Hannoverschen Presse“, Ende November 1973 der Jahreshauptversammlung des HSV zur Wahl stellte, hatte er Muße, dem Bericht der Rechnungsprüfer zuzuhören. Das Geschäftsjahr 1972/73, das am 30. Juni endete, war mit dem deftigen Verlust von 256 000 Mark abgeschlossen worden. Rüge der Rechnungsprüfer: Das HSV-Präsidium wisse keinen Weg, die Finanzen des HSV bei gleichzeitiger Weiterführung der Bundesliga in Ordnung zu bringen. Der hanseatische Club hatte in der Tat jahrelang von der Substanz gelebt. Nun war ein Schuldenberg von 3,4 Millionen Mark angelaufen. Unter den Fußball-Bundesligavereinen – seit Jahren als „Schuldenliga“ verspottet – stand der HSV damit an zweiter Stelle. Nur Berlins Hertha BSC hatte noch mehr Schulden, nämlich sechs Millionen. Der sportliche „Erfolg“ entsprach unterdes völlig dem wirtschaftlichen „Ergebnis“: Der HSV hatte gegen den Abstieg aus der ersten Liga zu kämpfen.

Mit Peter Krohn kam die Wende. Schon der Wahlabend hatte altgedienten Funktionären und anhänglichen Vereinsmitgliedern Ungewöhnliches gebracht. Erstmals in der Vereinsgeschichte und – wie der Clubpräsident heute selbstbewußt verkündet – auch erstmals in der Geschichte der Bundeliga trat ein Kandidat mit einem Konzept vor die Mitgliederversammlung eines Vereins. Vierzig Minuten lang hatte Kandidat Krohn den HSVern seine Vorstellungen dargelegt mit Kernsätzen wie „wieder an große sportliche Erfolge der Vergangenheit anknüpfen“, „Erschließung von neuen Spenden- und Finanzquellen“, „eisern sparen, ein ehrliches Kostenbewußtsein gegenüber der Öffentlichkeit“.

Das Wahlergebnis war überwältigend. Mit den Stimmen von fast achtzig Prozent der versammelten Mitglieder wurde Krohn auf den Präsidentenstuhl gehievt. freilich, ein bißchen Emotion war auch dabei. Schließlich hatte Vater Krohn einst den Club mitgegründet und war sogar als Kicker mit den Hamburgern Deutscher Fußballmeister geworden.

Diese emotionelle Bindung an den hanseatischen Verein (Krohn: „Ich bin Hamburger aus Überzeugung“), dem er bereits „als einfaches Mitglied“ angehörte, mag der nun 42jährige Präsident indes nur für sich privat gelten lassen. Was für ihn zählt, was vor allem für seinen Club und die Öffentlichkeit zählen soll, ist seine betriebswirtschaftliche Leistung. Er sieht den HSV als Managementaufgabe. In einer Sechzig- bis Siebzig-Stunden-Woche versucht der Kicker-Boß, der davon überzeugt ist, daß Profivereine als Kapitalgesellschaften organisiert, von Berufsmanagern geführt und von Aufsichtsräten kontrolliert werden sollten, aus dem Traditionsclub ein Profit-Unternehmen zu machen.

Das Unternehmen: 27 Abteilungen, gut vierzig Angestellte, davon zwanzig Profifußballer nebst Trainer und Assistent, dazu Zeugwart und Platzwart und eine Reihe von Trainern für die Amateursportler, meist Teilzeitbeschäftigte. Als Krohn den Sport-Konzern HSV übernahm, lag der Umsatz bei rund 2,9 Millionen Mark. Der neue Präsident, der seine Tätigkeit ehrenamtlich ausübt („Ich bin finanziell unabhängig“), gab alsbald die Parole aus: „Laßt uns nach den Sternen greifen.“ Die schienen dem gelernten Betriebswirt nahe. Eine schlichte Standortanalyse hatte ihm die Erkenntnis eingegeben, daß der „Markt“ des HSV erweiterungsfähig sei. Im Hamburger Volksparkstadion (Fassungsvermögen: 61 000 Zuschauer) sollte das Produkt HSV nicht nur lokal von Interesse sein. Deshalb wollte Krohn die drei Buchstaben zu einem überregional attraktiven Markenartikel machen.