• Ihre Gespräche mit den Krankenkassen über Honorarerhöhungen waren bisher erfolglos. Gilt noch das Wort Ihres ersten Vorsitzenden, Hans-Wolf Muschallik, die Kassenärzte wollten diesmal den Kassen eine „Verschnaufpause“ gönnen? Schmitz-Formes: Wir wollten mit dieser Parole ein Signal geben. Wenn die Lage der Krankenkassen wirklich so schlecht ist, sollten alle Kostenverursacher gemeinsam Preisdisziplin üben, also nicht nur die Ärzte. Das war und ist unsere, Bedingung für eine „Verschnaufpause“ bei den Arzthonoraren.
  • Die Orts-, Innungs- und Betriebskrankenkassen wollen den Kassenärzten in diesem Jahr keine lineare Erhöhung der Arzthonorare zugestehen. Sind Sie bereit, wenn es bei dieser Weigerung bleibt, für Ihre Forderung nach höheren Honoraren zu streiken?

Schmitz-Formes: Mir ist diese Weigerung nicht bekannt. Was den Streik betrifft: Wir haben ja die Möglichkeit, das Schiedsamt anzurufen. Ich sehe die Möglichkeit eines Arztstreiks noch nicht. Wenn mal ein bestimmtes Maß der Pressionen erreicht ist, dann könnten wir uns zu ander ren Maßnahmen gezwungen sehen.

  • Auch Ihr Verband bestreitet nicht, daß die Einkommen der Kassenärzte in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen sind, nämlich um jährlich rund 12 Prozent. Halten Sie Weiterhin an der sogenannten „doppelten Dynamisierung“ fest, also an dem Prinzip, daß die Arzthonorare sowohl prozentual als auch nach der Menge der abgerechneten Leistungen steigen?

Schmitz-Formes: Die doppelte Dynamik sierung ist ein pseudowissenschaftliches Schlagwort, Tatsache ist, daß seit einiger Zeit die Mehrarbeit der Ärzte unverkennbar ein Faktor ist, der zur Umsatzsteigerung führt. Darauf haben aber die Ärzte keinen Einfluß, weil der Mehrbedarf an ärztlicher Leistung durch gesetzgeberische Maßnahmen und durch die Krankenkassen selbst bedingt ist, etwa in der Vorsorgemedizin. Außerdem wurde der Kreis der Kassenpatienten ausgeweitet.

  • Würden Ihre Mitghedsverbände einer ‚,Honorarempjehlung“ mit den Kassen zustimmen?

Schmitz-Formes: Unsere einzelnen kassenärztlichen Vereinigungen sind autonom. Aber wir wissen, daß sich die meisten an den Spielraum halten, den wir ihnen empfehlen.

  • Welche Möglichkeiten sehen Sie denn überhaupt, die Steigerung der Arzthonorare besser in den Griff zu bekommen?

Schmitz-Formes: Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Die wesentliche Möglichkeit ist die, den Patienten anders zu motivieren. Man muß ihn wieder ‚daran erinnern, daß die Krankenversicherung kein Selbstbedienungsladen ist, sondern eine Solidargemeinschaft, auf deren Kosten er sich Vorteile verschafft, wenn er Ansprüche stellt, die über das Maß der Versicherung hinausgehen. Die andere Möglichkeit zum Sparen besteht darin, den Wettbewerb der einzelnen Krankenkassen beim Leistungsangebot besser am seine Wirksamkeit hin zu durchdenken. Im übrigen sind wir gerade dabei, zusammen mit den gesetzlichen Krankenkassen die Gebührenordnungen so zu ändern, daß die eigentliche ärztliche Leistung höher bewertet wird, zu Lasten der mehr technischen Leistung. ma