Die Zukunft des IBM-Konzerns ist durch eine Kette von Kartellverfahren gefährdet

Daß der Computerkonzern IBM in den USA „derzeit mehr Rechtsanwälte beschäftigt als Verkaufsmanager“, wie sich der juristische Berater eines kleineren amerikanischen Herstellers von peripheren Datengeräten ausdrückte, ist zwar eine Übertreibung. Aber richtig ist schon: So viele Prozeßakten wie zur Zeit hatten die IBM-Anwälte noch nie zu bewältigen.

IBM steht in einem Rechtskrieg mit. vielen Fronten. Die Schlacht an der Hauptfront sollte eigentlich Mitte Februar dieses Jahres, begonnen haben – das offizielle Verfahren US-Bundesjustizministerium contra IBM. Dabei geht es um den Vorwurf der Monopolisierung des Computermarktes, den die Kartellbehörde des Ministeriums vor sechs Jahren, im Jahre 1969, erhoben hat.

Meldungen, wonach in diesem Prozeß die Aufteilung von IBM in mehrere unabhängige Unternehmen bevorsteht, beruhen zwar nur auf Mutmaßungen und Gerüchten. Denn beide Seiten halten sich strikt an. die gerichtliche Auflage, Stillschweigen zu bewahren und eigene Interpretationen der einzelnen Rechtsschritte zu unterlassen. Aber bei IBM ist man sich darüber im klaren, daß dieser Prozeß über die Zukunft des Konzerns entscheiden kann.

Die Beweisaufnahme mit einer Fülle vorgerichtlicher Anhörungen hat die Schwadron der Kartell-Spezialisten unter den IBM-Anwälten und die Ankläger der Gegenseite so beschäftigt, daß der Prozeßbeginn immer wieder hinausgeschoben werden mußte. Eine Kopier -Firma – damit beauftragt, die Akten für das Verfahren abzulichten – brachte es nun fertig, den Beginn des Prozesses erneut zu verzögern: Die 60 000 Blätter des Aktenberges sind beim Photokopieren so durcheinandergeraten, daß sich keine der streitenden Parteien mehr in ihm zurechtfindet. Der Prozeß wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

An der zweiten Front, an der die IBM-Anwälte kämpfen, sind dagegen die ersten Gefechte schon geschlagen – doch ist der endgültige Ausgang der Schlacht auch hier noch offen. Die Kriegserklärung ging von der in Oklahoma ansässigen Telex. Corporation aus. Diese Gesellschaft, die neben Fernschreibern auch Zusatzgeräte zu Computern produziert, verklagte IBM wegen Diskriminierung und Machtmißbrauch. Die erste Instanz, ein Bezirksgericht in Denver, gab Telex recht und verurteilte IBM zur Zahlung von Schadenersatz an Telex in Höhe von 259,5 Millionen Dollar.

Dieses Urteil ließ die Prozessierlust anderer mit IBM auf Teilmärkten konkurrierender Firmen erheblich wachsen. Mittlerweile sind es gut ein Dutzend Gesellschaften, die ihr Glück vor dem Kadi versuchen. Sollte gar das Bundesjustizministerium den Prozeß gegen IBM gewinnen, wird das sicher noch weitere Firmen dazu ermuntern, von IBM Schadenersatz wegen Verstoßes gegen das Kartellrecht zu erheben.