Von Ulrike Klugmann

Es war in Braunlage, wo mir auf die Frage, was es denn Typisches gäbe im Harz, Kurdirektor Dieter Banse mit fröhlichem Bekennermut gestand: „Nichts!“ Man erkennt eher Unterschiede, zum Beispiel zwischen den behäbigen Prachtvillen Bad Harzburgs und den glatt holzverschalten einstöckigen Häusern Braunlages. Eine harzerische Gemeinsamkeit fehlt. Es gibt keinen Baustil, der – wie im Schwarzwald – als Markenzeichen gilt. Es gibt keine Kost (vom Harzer Käse mal abgesehen, doch diese Käseart ist ja überall zu haben), die einmalig wäre, keine Trachten, keine Mundart, kein Kunstgewerbe. Und wenn man’s noch weiter faßt: Es gibt nicht einmal besonders hohe Berge oder besonders schöne Badeseen oder sonst irgend etwas Besonderes. Freimütig wird gar darüber geplaudert, daß der schönere Teil des Harzes sowieso (leider) in der DDR liegt.

Was Exotik-Urlauber nie begreifen werden: Harz-Gäste erwarten nicht den topographischen, gastronomischen oder sportiven Knüller. Sie würden sonst wohl nicht Jahr für Jahr angereist kommen und sich auch vom Wetter nicht schrecken lassen.

Mir scheint, die Harz-Gäste – nahezu alle kommen aus Norddeutschland, Dänemark und Holland – suchen Beschaulichkeit, bewußte Erholung, risiko- und harmloses Vergnügen. Nordeuropäer unter sich.

Aber natürlich machen sich die Harz-Kurorte auch Gedanken, wie sie ihre Stammgäste besser unterhalten können. So sollen in Bad Harzburg „die kleinen Abwechslungen“, die in Gemeinschaft viel Spaß machen, ab Sommer stärker propagiert werden. Bei der Kurverwaltung werden alle „Aktivitäten“, von Pilzesammeln bis zum Kegeln, per Liste angezeigt. Wer mitmacht, bekommt eine kleine Anstecknadel mit den Buchstaben „HC“, damit jeder weiß, daß der Träger zur „Harzburger Clique“ gehört.

Aber auch ohne „Clique“ ist das Anschlußfinden nicht schwer, die beste Methode: Man beteiligt sich an geführten Wanderungen. Mehr Leute, als man ahnt, marschieren nur mit, um andere kennenzulernen. So herrlich unverbindliche Kontaktmöglichkeiten bietet sonst nur das Kurkonzert! Ähnlich verhält es sich offenbar mit den Pensionswirten: Der gute Kontakt zwischen Gast und Wirt fördert die Spezies Stammgast in erstaunlicher Weise; so mancher Harz-Urlauber fühlt sich inzwischen schon zur Familie zugehörig. Vielleicht ist es dieses Gefühl des Nichtfremdseins, dazu die Überschaubarkeit des Harzes, die Gewißheit, nicht in unerforschte Wälder vordringen zu müssen, und schließlich wohl auch die Preisgestaltung, was dem Harz eine ständig größer werdende Schar von Freunden beschert.

Jawohl, ich finde die Preise in Ordnung, wiewohl die Mär geht, der Harz sei sündhaft teuer, und das nicht nur in den Luxusherbergen. Bei Skikursen, Zimmern, Apartments und Lebensmitteln entsprechen die Preise denen ähnlicher Feriengebiete. Der Einwochenskikurs (20 Stunden) kostet 60 Mark, die Übernachtung mit Frühstück ist im einfachen Privatzimmer für 9,50 Mark zu haben, und eine Ferienwohnung schlägt pro Tag und Person mit 14 bis 16 Mark zu Buche.