Die Deutschen bewundern die Filme anderer Leute, weil sie im Grunde nach New York, London und Paris schauen, und die deutschen Filmgenies müssen erst von London oder Paris beachtet werden, um dann anschließend von ihnen entdeckt zu werden. Es hat mich ungeheuer bestürzt, daß man mir von einem Mann wie Schroeter sagt: „Seine Filme sind solala“; und von einem Mann wie Schmid: „Bei seinen Filmen sind die Kinos nie sehr voll.“ Da bin ich natürlich etwas verdutzt In Paris sehe ich Leute, die mir sagen: „Ich habe den neuen Murnau entdeckt; ich werde ihn einen Film machen lassen.“ Ich habe letztes Jahr Syberbergs „Ludwig“ gesehen, als er in Paris herauskam – naja, ich war völlig weg. Wenn man solche Filmemacher hat und trotzdem weiter sehr mittelmäßige Leute beachtet, so verstehe ich das nicht.

Henri Langlois, Leiter der Cinémathèque Française in Paris, bei einer Jean-Epstein-Veranstaltung des Düsseldorfer Filmforums

Lietzau ohne Dorn und Wendt

Nach der Deutschen Oper Berlin hat nun auch das Schiller- und Schloßparktheater seine Führungskrise: das Team um den Intendanten Hans Lietzau bricht auseinander. Zwei der engsten Mitarbeiter Lietzaus, der Hausregisseur Dieter Dorn und der Chefdramaturg – Ernst Wendt, verlassen zum Ende der Spielzeit die Berliner Staatsbühne. Die „unauflösbaren Differenzen“, von denen Wendt spricht, gelten in ähnlicher Weise auch für Dorn. Ein Konflikt wird offenbar, der immer droht, wenn ein Regisseur von seiner eigentlichen Begabung abgedrängt und aufs Management verwiesen wird. In dem nicht unsympathischen Ehrgeiz, seine Verantwortung für drei Häuser ernstzunehmen und trotzdem auf große Regie-Aufgaben nicht zu verzichten, ist Lietzau drauf und dran, seinen Ruf gleich doppelt zu verspielen: als Regisseur und als Theaterleiter, der nach der in Konfusion endenden Ära Barlog angetreten ist mit dem Willen, kritisches Theater in Zusammenarbeit mit einer Gruppe intelligenter, sachverständiger Regisseure und Dramaturgen zu machen. Der Elan des Neubeginns ist überraschend schnell verpufft. Von seinen Terminen, Ämtern, der Verantwortung erdrückt, ist Lietzau selbst für seine engsten Mitarbeiter entrückt in die Sphäre einsamer Entschlüsse, ist Diskussionsbereitschaft geschwunden, der Gesprächskontakt abgebrochen und ein Theater in die Krise geraten.

100 Räte und ein Direktor

Nach monatelangem Gerangel um die Nachfolge Werner Haftmanns ist die Entscheidung gefallen. Der neue Direktor der Berliner Nationalgalerie heißt Dieter Honisch, bisher Oberkustos am Museum Folkwang in Essen. Der zuständige Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte unter Minister Maihofer zum erstenmal in großer Besetzung getagt – 100 Räte sind für eine so sublime Sich- und Personalentscheidung ein erschreckend großes Gremium. Honisch muß schon über apokryphe Fähigkeiten verfügen, wenn er einem so hochqualifizierten Gegenkandidaten wie Wieland Schmied vorgezogen wurde. Er wird reichlich Gelegenheit haben, diese Fähigkeiten an prominenter Stelle unter Beweis zu stellen. Sein Konzept, ein Museum dürfe nicht Besitz präsentieren, sondern müsse Ideen darstellen, hat ihm zwar 90 Stimmen eingebracht, aber es bedarf dringend der Konkretisierung.

Luigi Dallapiccola