Beachtlich:

„Flammendes Inferno“ von John Guillermin und Irwin Allen. Hollywoods größte Materialschlacht (Kosten: 20 Millionen Dollar) fasziniert durch schiere Gigantomanie. Fast alles gibt es mindestens doppelt: zwei Produktionsfirmen, zwei Regisseure, zwei Roman-Vorlagen, zwei Kameramänner und zwei Superstars an der Spitze einer eindrucksvollen Besetzung. Beim Brand des höchsten Wolkenkratzers der Welt beweisen Paul Newman und Steve McQueen Heldenmut und porentiefe Virilität, während William Holden, Faye Dunaway, Fred Astaire, Jennifer Jones, Richard Chamberlain, Robert Vaughn und Robert Wagner weinen, wüten, hoffen, resignieren, intrigieren oder zur Not auch stille Größe zeigen. Die von Irwin Allen („The Master of Desaster“) mit beklemmender Perfektion inszenierten Trickaufnahmen gehören zu den besten der Filmgeschichte. Nie verliert der Betrachter die Illusion, eine absolut authentische Apokalypse mitzuerleben. Angesichts des irrwitzigen technischen Aufwands nehmen sich die zahlreichen Haupt- und Nebenhandlungen um so fader und konventioneller aus. Die unbeholfen gezeichneten Figuren erfüllen allenfalls eine Funktion als Stichwortgeber für spektakuläre Aktionen. Ein Film für Pyromanen.

Mittelmäßig:

„Die Story von Gun-Kelly“ von Dan Curtis ist offensichtlich ein Nebenprodukt der „Jagd auf Dillinger“ von John Milius. Daß der Autor von „Dirty Harry“ und „Jeremiah Johnson“ auch das Drehbuch für diese Gangster-Biographie aus den dreißiger Jahren geschrieben hat, mag man kaum glauben. Im betulichen, pseudodokumentarischen Stil einer mittelprächtigen Schulfunksendung werden die Taten des legendären Machine Gun Kelly nacherzählt, den der aus „Dillinger“ bekannte FBI-Agent Melvin Purvis zur Strecke bringt. Roger Cormans „Revolver-Kelly“ von 1958 mit Charles Bronson in der Titelrolle war erheblich besser.

Hans C. Blumenberg

Fragwürdig:

„Nachtblende“ von Andrzej Zulawski. Dieser erste „große“ Publikumsfilm des in Paris arbeitenden Wajda-Schülers Zulawski ist ein Werk der aufgewühlten, schrillen und schwülen Exaltationen. Hier wird nur im Superlativ gefühlt und agiert Ein schöner, hartgesottener Photoreporter steigt in vergammelten Villen, Pornoateliers und Schmierenbühnen der selbstverständlich ebenfalls schönen, aber beruflich und privat verherbten Schauspielerin Nadine (Romy Schneider) nach, ermöglicht ihr einen erfolglosen Bühnenauftritt in „Richard III.“ und Klaus Kinski, bei dieser Gelegenheit sein ganzes outriertes Selbst zu mimen; treibt ihren kaputten Ehemann in einen widerlichen Tablettenselbstmord auf der Toilette und wird am Ende selber genüßlich zusammengeschlagen. Durch viel Blut und verhaltene Tränen findet das Paar am Ende zu einer Art Läuterung, die man sich wohl als Einsicht in den Tenor des französischen Originaltitels vorzustellen hat: „Nur auf die Liebe kommt es an“ oder „Hauptsache, man liebt“ oder so ähnlich. Was an dem Film besonders stört, ist sein elementares Mißverhältnis: Auf der einen Seite sind seine Menschen durch und durch abgebrüht und vom Leben gebeutelt, auf der anderen sind es Naivlinge, für die mit einem echten Beischlaf die Welt einstürzen würde. Ein Bubble-Gum, der so tut, als käme er direkt aus Fausts Laboratorium.