Nach dem Bauboom: In deutschen Großstädten stehen die Hotels halb leer

Von Hermann Bößenecker

Deutschlands Hoteliers haben sich verkalkuliert. Riesige Bettenberge – vor allem in München, Frankfurt und Hamburg – jagen schon dem alteingesessenen Gastgewerbe Furcht vor hohen Verlusten ein. Bis gar die Newcomer – vor allem ausländische Konzerne – mit ihren neu hochgezogenen Großhotels die Rentabilitätsschwelle erreicht haben, werden nach einhelligen Schätzungen noch mindestens drei bis vier Jahre vergehen.

Bisher war in München die Konkurrenz am härtesten. Doch nach Meinung von Egon Steigenberger, dem Chef der gleichnamigen Hotelgesellschaft, wird es auch bald in Frankfurt „einen Kampf um den Gast geben, wie wir ihn noch nicht erlebt haben“.

Einen klaren Beweis dafür, daß die Ausländer die Chancen im Hotelgeschäft der Bundesrepublik bei weitem überschätzt haben und jetzt Millionen-Lehrgelder zahlen müssen, sehen Branchenkenner in der „Flucht“ des US-Konzerns Loews aus dem Hamburger „Plaza“-Hotel. Der amerikanische Konzern hatte sich überraschend von der erst im Frühjahr 1973 eröffneten 1100-Betten-Luxusherberge zurückgezogen und das Management der Canadian Pacific Hotels Ltd. (CP) überlassen. Sie ist auch in den Vertrag von Loews für das neue Hotel gegenüber dem Frankfurter Messegelände mit ebenfalls 1100 Betten eingetreten. Bauherr beider Häuser ist die Unternehmensgruppe Neue Heimat.

Daß sich Loews von seinem deutschen Partner über Nacht trennen konnte, ließ alte Gerüchte wieder aufleben: Danach hatten die amerikanischen Hoteliers mit der Neuen Heimat vor Jahren einen „Traumvertrag“ abgeschlossen, der ihnen den sofortigen Ausstieg ermöglichte, falls die Projekte in Hamburg und Frankfurt nachhaltig unrentabel wären.

Zu soviel Entgegenkommen war – wie weiter kolportiert wird – die Neue Heimat bereit, um einmal überhaupt einen Pächter für ihre Bettensilos zu gewinnen und zum andern – eben in Loews – einen potenten Kunden in den USA. Angeblich suchte Loews für eigene Vorhaben in New York einen Partner mit dem Know-how der gewerkschafts-eigenen Neuen Heimat. Und die richtete in New York auch prompt eine Tochtergesellschaft ein – die Hanseatic Development Corporation.