Lothar Dombrowski, ehemaliger Nachrichtensprecher im Fernsehen, animierte das Publikum der 22. Fernsehlotterie „Ein Platz in der Sonne“ zum Kauf möglichst vieler Lose. Dabei kam ihm das neue Fünf-Mark-Stück wie gerufen: Wem es nicht gefalle, meinte der Show-Laster listig, der könne es ja ganz schnell wieder loswerden und zur Post tragen.

Dombrowski selbst findet den Fünfer freilich sachlich schön. Doch damit gehört er zu einer Minderheit. Drei Viertel aller Bundesbürger urteilten in einer Umfrage vielmehr, der neue „Heiermann“ sei sehr viel häßlicher als der alte. Viele wähnten gar, es handelte sich um „Ost-Geld“. Die Münze kam als „neuer Rubel“ ebenso in Verruf wie als „Inflationsfünfer“, „Wehner-Groschen“ oder „SPD-Geld“. Und weil er auf Grund einer optischen Täuschung nicht rund aussieht, stempelte man den Fünfer sogar als „Straußen-Ei“.

Aber weder Strauß noch Wehner haben mit dem Fünfer etwas zu tun, und auch Finanzminister Hans Apel trifft kaum eine Schuld. Denn womit die Bundesbürger nun bezahlen müssen, das entschieden Ästheten. In der Jury, die dem neuen deutschen Fünf-Mark-Stück den ersten Preis zuerkannte, haben Kunstprofessoren die Mehrheit. Und sie entschieden sich für den Entwurf des Stuttgarter Münzgestalters Wolfgang Döhm. Sein Preis: 5000 Mark.

Der Hamburger Professor Freiherr von Buttlar ist mit seiner Entscheidung voll zufrieden: „Wir waren alle entzückt, als das kam. Man muß sich eben auch mal an was anderes gewöhnen.“

Der Künstler selbst ist allerdings gar nicht mehr zufrieden; Denn auf dem Weg zur fertigen Umlaufmünze wurde sein Entwurf zu einer „graphischen Unmöglichkeit verunstaltet“. Döhm: „Und ich stehe jetzt als der Dummkopf da.“ So war der Randstab des neuen Fünfers ursprünglich nicht kreisrund. Er war dem Münzinneren und dem Schriftzug „Bundesrepublik Deutschland“ graphisch angepaßt. Da beide eckig oval sind, sollte auch der Randstab entsprechend aussehen.

Doch im münztechnischen Ausschuß beim Finanzminister kam das nicht an. Die Techniker von Post und Bahn sowie der Automatenindustrie fanden die Form nicht automatensicher und drängten auf einen kreisrunden Randstab. So kam es dann auch. Für Döhm indes wirkt das nun so, als hätte man jemandem zu Frack und Lackschuhen einen Tirolerhut verpaßt. Wo immer Döhm Bekannte und Freunde trifft, die ihn „beschimpfen“, zieht er aus der Tasche einen prägefrischen Fünfer nach Döhmischer Fassung und ist – wie er sagt – dann exkulpiert.

In Bonn freilich behauptet man (was Döhm bestreitet), daß der Künstler den Änderungen zugestimmt habe. Hätte er sich auf die Hinterbeine gestellt, wäre es bei seinem preisgekrönten Werk geblieben. Döhm wiederum meint, in dem technischen Ausschuß sei „ein ganz linkes Spiel“ getrieben worden. Denn sein Änderungsvorschlag habe die Harmonie von Sicherheit und Ästhetik garantiert.