Warum Schott beim Schwesterunternehmen das Heft in die Hand nahm

Von Rainer Frenkel

Nein, leichtgefallen ist mir das sicher nicht. Aber die neuen Aufgaben sind ja interessant und problematisch genug." Zeiss-Geschäftsführer Eberhard Scheffler kommentiert seine Entmachtung.

Nur, von "Entmachtung" will er natürlich nichts hören. Die Neuregelung, schließlich, habe er ja selbst so befürwortet. Und darum will er auch "nicht spontan verneinen", daß es für ihn bei Zeiss noch eine Zukunft gibt.

Wie immer die Tatsachen öffentlichkeitsgerecht zu erläutern sind: Der vor wenigen Jahren erst von der Wirtschaftsprüferfirma "Treuarbeit" zu Zeiss übergewechselte Finanzmann Scheffler mußte sein Finanzressort abgeben, auch die Zuständigkeit für Personal und Soziales. Sein neues Betätigungsfeld: Er soll den Zeiss-Töchtern auf die Finger schauen und erst einmal dafür sorgen, daß sie der Mutter nicht mehr auf der Tasche liegen.

Auf den richtigen Weg bringen wird sie dann freilich ein anderer: Johannes Semler, Exfinanzchef der AEG, seit drei Monaten Unternehmensberater für die Stiftungsfirma Carl Zeiss. Er hat vom baden-württembergischen Ministerialdiréktor im Wirtschaftsministerium und Stiftungskommissar Herbert Hochstetter den Auftrag, innerhalb von zwei Jahren "ein unternehmenspolitisches Konzept für Zeiss" zu erarbeiten, das es demnach offensichtlich nicht gibt.

Doch es ist nicht allein Semler, mit dem sich das Zeiss-Management künftig wird vertragen müssen: Vom Jenaer Glaswerk Schott & Gen., Mainz, kamen – für zunächst ein Jahr – die Geschäftsführer Werner Adolphs und Reinhard Jagdt zu Zeiss ins württembergische Oberkochen; Adolphs, um Zeiss-intern das Ressort Finanzen und Rechnungswesen zu führen, und Jagdt für das "Personal- und Sozialwesen". Schließlich übernahm Willi Lehrmund, Vorstandsmitglied der Zeiss-Tochter Hensoldt & Söhne, den Zentralbereich Produktion. Dieser Posten war vakant, seit Martin Ahrend im August 1974 seinen Abschied genommen hatte.