Helmut Schön, der Bundestrainer, hat Sorgen. Die Engländer haben auf Wembleys angeblich so geheiligtem Rasen seiner Nationalelf eine Lektion im modernen Tempofußball erteilt. Nun fuhr er nach Belgrad, wo Real Madrid gegen Roter Stern spielte, und sprach mit Netzer und Breitner, um sie wieder in seine Mannschaft zu holen. Dabei hat der langmähnige Mao-Freund Breitner seine Äußerungen, die er nach der Weltmeisterschaft gegen einige Funktionäre abschoß, bedauert. Das aber genügte den Gewaltigen des Fußballbundes nicht, sie verlangten jetzt auch noch eine schriftliche Erklärung. Das heißt im Klartext nicht nur Entschuldigung, sondern Demütigung. Es spricht für Breitner, der zusammen mit Netzer den „königlichen Club“ von Madrid zur spanischen Meisterschaft führt, daß er dieses arrogante Ansinnen ablehnte.

Nicht nur der „leise Bomber der Nation“, Gerd Müller, hat wegen der Vorfälle beim Bankett nach der Weltmeisterschaft sich aus der Nationalmannschaft dispensiert, auch Breitner, der großartige Offensivverteidiger, fällt nun wahrscheinlich aus. Funktionäre halten eben zusammen wie Pech und Schwefel. Statt einen Mann wie Decken, der den Frauen der Spieler, die gerade die Weltmeisterschaft erkämpft hatten, drohte, sie handgreiflich aus dem Saal befördern zu lassen, während die Damen der Funktionäre bereits an der Tafel thronten, endlich die rote Karte zu zeigen, wird weiterhin in autoritär gemacht. Aber das paßt alles gut zum Verhalten einiger Vereinspräsidenten, die das Wort Demokratie nur vom Hörensagen zu kennen scheinen.

Adolf Metzner