Wir müssen lernen, mit der Verschlechterung des Klimas zu leben

Von Walter Orr Roberts

Es gibt bereits warnende Signale, die eine Verschlechterung des Weltklimas anzeigen. Seit ungefähr 1950 hat die Durchschnittstemperatur in den hohen und mittleren Breiten der nördlichen Hemisphäre, auf der ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt, eine Abkühlung um annähernd 0,3 Grad Celsius erfahren.

0,3 Grad, das scheint eine minimale Verschiebung zu sein. Doch machen der Direktor des Meteorologischen Instituts der Universität Bonn, Hermann Flohn, und viele seiner Kollegen darauf aufmerksam, daß diese geringfügige Veränderung die Wachstumszeit in einer der besten landwirtschaftlichen Gebiete der nördlichen Hemisphäre um eine Woche verkürzt. So gesehen, handelt es sich also um eine Angelegenheit von größter Bedeutung.

Die hohen und mittleren Breitengrade erlebten von ungefähr 1930 bis 1950 zwei auffallend warme Dekaden. Es war allgemein eine äußerst günstige Periode für die Landwirtschaft der Welt. Dank des verbesserten Gesundheitswesens war es zusätzlich eine Zeit raschen Bevölkerungswachstums, das unvermindert angehalten hat. 1972 mußten 71 Millionen Menschen mehr ernährt werden als 1971. Im Verhältnis fünf zu zwei überwogen die Geburten die Todesfälle. Die heutige Weltbevölkerung von vier Milliarden ist fast dreimal so groß wie die des Jahres 1900, und im Jahr 2000 wird die Bevölkerungszahl mit großer Wahrscheinlichkeit die Sechs-Milliarden-Grenze überschreiten. In Anbetracht dieser Größenordnungen sind günstige Wetterbedingungen mehr denn je erforderlich, um eine weltweite Hungerkatastrophe abwenden zu können, zumal es um die anderen Voraussetzungen ohnehin nicht zum Besten steht.

Die Landwirtschaft braucht ausreichende Düngemittel und Pestizide, um den Ertrag der Ernten zu verbessern, und die Energiekosten für Kultivierung, Bewässerung und Transport müssen gesenkt werden. Die Ergebnisse der „grünen Revolution“ werden hauptsächlich von verbesserten Düngemitteln, von der Schädlingsbekämpfung und optimaler Bewässerung bestimmt. Schließlich: Wenn auch die Armen und nicht nur die Reichen essen sollen, dann müssen die Nahrungsmittelpreise stabil und relativ niedrig sein. Unglücklicherweise hat sich keine dieser erhofften und notwendigen Bedingungen erfüllt.

Sahara dehnte sich aus