Leise surren die Düsen wie das wohlige Schnurren einer Katze. Drunten liegt der Fehmarn-Sund, die wuchtige Brücke zur Insel, der Fährhafen von Puttgarden. Im Fehmarn-Belt spiegelt sich der Himmel. Vor knapp fünfzehn Minuten hat die – Maschine in Hamburg-Fuhlsbüttel vom Rollfeld abgehoben, jetzt fliegt sie dem Nordlicht entgegen. Im Lapplandmoosgrün der Sitze räkeln sich zwei Japaner auf Weltreise, ein Geschäftsmann aus Tampere studiert die Helsingin Sanomat, Osterurlauber reden von Sauna, Fischfang und Lappensafari. Zwischen den Olivtönen der Gardinen geht der Blick auf die wie mit Puderzucker bestäubte schwedische Schneelandschaft. Und dann das Blau-Türkis-Orange-Purpur an diesem Nachmittagshimmel, das nach Norden hin immer mehr von einem satten Violett-Ton aufgesogen wird, bevor die Dämmerung mit bestimmender Endgültigkeit plötzlich hereinbricht. Ich stelle meine Uhr um eine Stunde vor: Finnland ist der Zeit voraus.

Vor 22 Jahren rüstete die finnische Fluggesellschaft als erste europäische Linie ihre Flotte auf Düsenmaschinen um. Die Finnen starteten auch als erste ihre Jet-Flotte mit automatischen Anflug- und Landeinstrumenten aus, und ebenfalls als erste stellten sie sich um auf das vorprogrammierte Autopilot-Navigationssystem.

Jetzt setzen die Finnen diese Tradition fort. Ab 1. April hat Finnair die Route Amsterdam–New York um die erste Großmaschine vom Typ DC-10 erweitert. Der „Iso-Antti“ werden später noch zwei weitere DC-10-Riesenvögel folgen.

Zwischen den zwanzig finnischen Flughäfen von Helsinki bis Ivalo am Inarisee erstreckt sich das dichteste Inlandsflugnetz der Welt. Fliegen ist in Finnland so selbstverständlich wie Auto fahren – nur schneller und billiger. Das spüren auch die Urlaubsreisenden. Noch immer ist Finnland für den Touristen eines der billigsten Länder in Europa. So kostet etwa der Flugkilometer bis Ivalo nur 21 Pfennig, und zwischen Jyväskylä und Tampere begegnet man nicht selten Zimmerleuten, die von einer Baustelle zur nächsten jetten. Im Winter sind die Flug-Ski-Touren nach Vuokatti, Kuusamo oder Joensuu wegen ihrer Billigpreise bis auf den letzten Platz besetzt, für den Sommer werden jetzt schon die „Opern-Flüge“ gebucht, zu den Festspielen nach Savonlinna.

Der Blick über Finnland hinaus ist auf Zukunft gerichtet. Die kleine Fluggesellschaft hat wohl als einzige nationale Flugverkehrsgruppe im vorigen Jahr ihre Passagier-Kilometerzahl um über vierzehn Prozent steigern können, und für dieses Jahr wird erneut ein Zuwachs von zwölf Prozent angepeilt. In zwei Jahren eröffnen die Finnen eine weitere Linie über Istanbul nach Beirut; später folgen Linien nach Madrid und über Leningrad nach Tokio, nach Südamerika und nach China.

Diesmal bin ich bis zum Polarkreis unterwegs. Als die Maschine mit blauem Band und blauem Kreuz auf der Landebahn von Helsinki ausrollt, bündelt ein älterer Herr neben mir seine Angelruten und meint: „Übers Wochenende werde ich mich in Rovaniemi etwas erholen. Ein Gesundheitsflug für mich.“ S. B.