Von Klaus-Peter Schmid

ZEIT: Herr Dr. Lantzke, am 7. April werden sich in Paris zum erstenmal Ölproduzenten und Ölverbraucher zu Verhandlungen an einen Tisch setzen. Was ist das Ziel dieser Gespräche?

Lantzke: Das Ziel des eigentlichen Dialogs wird es sein, zu einer stärkeren Annäherung zwischen Verbrauchern und Produzenten zu kommen. Es muß verhindert werden, daß die Weltwirtschaft noch einmal so tiefgreifend erschüttert wird wie nach der Vervierfachung der Ölpreise im Winter 1973/74. Am 7. April geht es allerdings noch nicht um die eigentlichen Sachfragen, sondern erst um die Vorbereitung – beispielsweise um die Tagesordnung, die darüber entscheidet, wie detailliert sich der eigentliche Dialog mit dem Energieproblem befassen wird. Man wird sich auch einigen müssen, ob andere Fragen, die nur mittelbar im Zusammenhang mit dem Energieproblem stehen (wie die weltweite Inflation, die Zahlungsbilanzgleichgewichte oder auch – wie Algerien das will – andere Rohstoffprobleme) mit berührt werden.

ZEIT: Achtzehn Verbraucherländer haben sich in der internationalen Energieagentur zusammengeschlossen, um ihre Interessen schon vor Beginn der Konferenz abzustimmen. Was hat die Agentur in den vier Monaten ihrer Existenz bisher erreicht?

Lantzke: Eine ganze Menge:

Erstens: Die Notstandsvorsorge ist technisch so weit entwickelt, daß das System heute praktiziert werden könnte. Damit wäre also nicht noch einmal die Situation vom Herbst 1973 möglich, in der alle Länder unkoordiniert auf nationale Krisenmaßnahmen zurückgreifen mußten.

Zweitens: Es wurde vereinbart, ernsthafte Anstrengungen zur Einsparung von Energie zu unternehmen und 1975 etwa hundert Millionen Tonnen Öl einzusparen. Die Ölimporte der Agenturländer sollen also nicht über das Importniveau von 1973 ansteigen. Für 1976 und 1977 wird eine neue Entscheidung vorbereitet, die ebenfalls konkrete Einsparungen zum Ziel hat.