Von Rainer Burchardt

Kiel

Schriev dat op!“ mahnt der Kanzler einen seiner Begleiter und überzeugt sich mit einem prüfenden Blick nach links, daß notiert wird, was seine Gesprächspartner bedrückt. Und so, als sei der Wunsch bereits Wirklichkeit, nickt Helmut Schmidt befriedigt in sich hinein und wendet sich mit einer Seht-so-mach-ich-das-Geste wieder den vier Dutzend nordfriesischen Krabbenfischern zu, die nach Husum „einen ganzen Sack von Problemen mitgebracht haben“. Den Inhalt schütten sie dem Kanzler wohlsortiert auf den Tisch.

„Unser Herr von Holt hat sich das alles schon mal aufgeschrieben“, sagt der älteste Fischer noch etwas abwartend. Doch Helmut Schmidt greift beherzt in die Seekiste und berichtet halb platt und halb hochdeutsch, er habe auch schon mit Krabbenfischern zu tun gehabt. 1939, als junger Soldat: „Damals mußten wir auch noch selber pulen, heute sind wir ja fein geworden und kaufen die Dinger fix und fertig.“ Doch darüber, so der Kanzler, habe er ja nicht erzählen wollen, er sei gekommen, „um mich bei euch ein büschen zu informieren“. Und dann redet er Tacheles, um mal eben als Kanzler etwas zu sagen: „Sie könnten eine viel stärkere Stellung am Markt haben, wenn Sie sich stärker zusammenschlössen.“ Bei den Fischern, so des Kanzlers Eindruck, herrsche noch immer, das möchte er mal ganz offen sagen, zu starke Vereinsmeierei. Auch hier fehle eine grüne Front.

Der erste Beifall ist ihm sicher, Schmidt hat das ohnehin dünne Eis gebrochen, und als er dann noch eine Runde Klaren ausgibt, kann er sich in Ruhe zurücklehnen, um sich die Sorgen der Krabbenfischer zwischen Friedrichskoog und Tönning auseinanderpulen zu lassen.

In den rauchverhangenen Hanseatensaal in Husum zwängen sich sechzig Leute. Er paßt dem Kanzler wie ein Maßanzug. Hautnah diskutiert er, redet gut vorbereitet mit, läßt sich nichts vormachen. Er imponiert den einfachen Fischern, die an Bord mit kargen Anweisungen auskommen müssen, hier aber verlegen umständlich formulieren, durch seine knappen Anmerkungen. Die Krabbenfischer kommen schnell aus der Reserve: Neuerdings brennen die Glühlampen viel zu schnell durch, die Fischer wollen gern in die landwirtschaftliche Altersversorgung, die Schiffssicherheitsordnung sei viel zu streng. All das interessiert Helmut Schmidt, der sich dann auch noch nachhakend erkundigt: „Habt ihr eigentlich alle Radar?“

Der Kanzler verspricht, sich um alles zu kümmern. Die Fischer haben ihr Problemgepäck abgeladen. Offen bleibt allerdings die geplante Schließung des ständig versandeten Hafens von Friedrichskoog. Schmidt: „Da knöpft euch mal den Stoltenberg vor, das ist nicht unser Bier.“ Der Besucher aus Bonn lächelt zufrieden, als er unter großem Beifall den Saal verläßt. Und einer seiner Begleiter meint: „Das Ding ist ja unheimlich gut gelaufen.“