Gottlob, wir haben endlich ein Problem! War es nicht schon beinahe peinlich, besonders problembewußten Ausländern gegenüber, daß wir abgesehen von Arbeitslosigkeit, Staatshaushalt, Innerer Sicherheit kein Problem hatten, das man mit verschämten Stolz vorzeigen konnte? Jetzt haben wir eins: das Problem. Kurz gesagt handelt es sich um die Frage, ob unser Land ein ist oder nicht. Und wer das behauptet, und wie er das gemeint haben könnte.

Soviel ist klar: in Sonthofen hat es Strauß nicht gesagt. Dort hat er manches andere gesagt, aber auch nicht das, was jetzt so gesagt wird, und auf keinen Fall war es so gemeint, wie manche meinen. Von einem hat er allenfalls in Passau gesprochen, das aber ganz anders gemeint, und wer ihm was anderes unterstellt, gegen den wird einstweilig verfügt, daß er das nicht mehr sagen darf, und zwar – wie es sich in diesem Falle gehört – vom Bonner Landgericht.

Von einem hat Strauß, wenn überhaupt, was noch umstritten ist, nur in bezug auf die sozial-liberale Koalition gesprochen, und nicht in bezug auf das ganze Land, vom Freistaat Bayern mal ganz abgesehen, wie es ihm jetzt dauernd von Brandt in den Mund gelegt wird. Der hat sich an diesem ganz schön die Finger verbrannt, und muß im Wiederholungsfall sogar brummen.

Wenn sich aber Strauß wiederholt und selber – etwa in „Hör zu“ – von einem spricht, darf er das ohne weiteres, denn inzwischen weiß ja jedes Kind, wie das gemeint war. Nur Schmidt scheint das noch immer nicht kapiert zu haben, denn eben erst hat er, mannhaft die tödlichen Pfeile auf sich lenkend, den Straußschen so gedeutet, wie es Brandt nicht mehr darf. Außerdem soll er dieses Wort viel früher gesagt haben, aber in einem anderen Zusammenhang, aus dem es dann, wie üblich, gerissen wurde.

Im übrigen hat Wehner schon ganz andere Sachen gesagt, nur hat er noch nie gesagt, oder gar dem Kollegen Strauß in der falschen Bedeutung in die Schuhe geschoben.

Soviel steht fest: Biedenkopf würde nie von einem sprechen, weder in dieser noch in jener Bedeutung, und wenn Carstens sagen würde, wäre das ohne jede Bedeutung. Von Kohl wird erzählt, er habe mal, ganz nebenbei, von Stall wache gesprochen, aber noch nie von ... stallwache, deshalb sind seine Chancen, diesen ausmisten zu dürfen, merklich gestiegen. Dregger fordert die Höchststrafe für jeden, der sowas behauptet. Stoltenberg mußte im Duden suchen, denn im Norden sagt man nicht ., sondern Schweinestall, und das darf man noch sagen, allerdings nicht im Süden.

Ohne dem Hauptverfahren vorgreifen zu wollen, dürfte jetzt schon feststehen, daß jeder, der in Zukunft den Drang verspürt, ein Wort wie in den Mund zu nehmen, sich seiner Verantwortung gegenüber dem Volksganzen bewußt sein sollte. „Das ist ja ein.......!“, darf er nur sagen, wenn er tatsächlich vor einem steht, und womöglich auch noch Ertl heißt. Wer aber weiter behauptet, jemand habe unser Land mit einem verglichen, der gehört selber hinein. Eines aber dürfen wir noch immer ungestraft sagen: Die ganze Sache stinkt zum Himmel!