Hervorragend

Bob Marley & The Wailers: „Natty Dread“. Authentische Reggae Music, wie sie Bob Marley und die Wailers spielen, ist das genaue Gegenteil der kommerzialisierten jamaikanischen Musikfolklore: ein mit archaischen Rhythmus-Akkorden instrumentierter Protest gegen die sozialen Bedingungen, unter denen das Lumpenproletariat des Touristen-Dorados Jamaika lebt. Diese Musik klingt für europäische Ohren nicht einmal exotisch, jedenfalls nicht für den, der mit der musikalischen Entwicklung und der Stimmung vertraut ist, die sich im Folk Blues und in den ersten Soul-Songs manifestierten. Selbst Bob Dylans konkreteste Protest-Songs waren in ihrer Anlage nicht pointierter als die von Bob Marley. (Island Records 88 741, 22,– DM) Franz Schöler

Hörenswert

The Singers Unlimited: „A capella 2“. Jedesmal aufs neue nötigt einem dieses amerikanische Vokalquartett Hochachtung ab. Das liegt vor allem an diesem seltsam perfekten spielerischen Umgang mit der Aufnahmetechnik und an der musikalischen Konzentriertheit des (im Playback-Verfahren verdichteten Chor-)Gesanges. Ihre besondere Farbe bekommt diese Musik freilich erst du,rch den eigenwilligen Chorsatz Gene Puerlings. Dem möchte man aber auch hier den Wunsch aufschreiben: dieses tränensackschwere Temperament zu wechseln und wenigstens mal so lebendig und so fröhlich zu sein wie auf seiner berühmten „Christmas“-Platte, so tänzerisch, so erfrischend frisch. (MPS/BASF 20 22343-4, 22,– DM)

Manfred Sack

Arnold Schönberg: „Das Klavierwerk“. Dies ist nun die dritte Einspielung aller Klavierstücke Arnold Schönbergs, und sie ist gewiß die präziseste. Maurizio Pollini hat Schönbergs Text wohl am besten und exaktesten gelesen und beachtet, hat auch die kleinsten Ausführungsbestimmungen in seinem Spiel umgesetzt – niemand nimmt wie er etwa eine kleine Figur in op. 19,1 wirklich „flüchtig“, niemand trennt so sauber in der Gigue aus op. 25 den „guten“ vom „schlechten“ Taktteil, und die kleinen Crescendi-Decrescendi innerhalb von zwei, drei Tönen bringt Pollini sorgfältiger als die übrigen Interpreten. Vor allem seine Tempi stimmen – Glenn Gould etwa ist stets zu langsam, Claude Helffer äußerst schwankend, Marie-Francoise Bucquet desgleichen. Einzig die etwas verhallende Aufnahmetechnik, die die Musik Schönbergs diffus werden läßt, statt sie aufzuhellen (CBS hat in der Gould-Aufnahme ein besseres Beispiel gegeben), macht diese Platte nicht ganz so wertvoll, wie sie hätte sein können. (Maurizio Pollini; Deutsche Grammophon 2530 531, 25,– DM)

Heinz Josef Herbort