Von Frank Grätz

Eines haben so verschiedene Berufe wie Bauarbeiter, Installateur, Kfz-Mechaniker, Journalist und Künstler gemeinsam: sie sind überaus „schwarz- und nebenarbeitsintensiv“. Eine Untersuchung des Emnid-Instituts ergab, daß durchschnittlich acht Prozent der Berufstätigen sich nach Feierabend noch etwas dazuverdienen.

Viele aber wissen nicht, wo die Grenze zwischen legaler und illegaler Nebentätigkeit liegt. Manch einer hat ein schlechtes Gewissen, etwa dem Finanzamt gegenüber, weil er nächtlich und ohne zweite Steuerkarte, aber für zehn und mehr Mark pro Stunde Heizungen einbaut, Mauern hochzieht oder dem Nachbarn die Haare stutzt.

Im Handwerk wird die Jahresleistung der Schwarzarbeiter wertmäßig auf 25 Milliarden Mark geschätzt, der Wert der gesamten Schwarzarbeit auf fünfzig Milliarden. Entsprechend hoch ist der Umsatzausfall der geschädigten Firmen und die dem Staat entgangene Steuer. Einige Branchen sind durch die billige Konkurrenz der Nebenarbeiter in ernste Schwierigkeiten geraten; Maler und Autowerkstätten rechnen mit Umsatzverlusten um 25 Prozent.

Hauptmotiv für eine Nebentätigkeit ist sicherlich der materielle Aspekt, wobei in der Mehrzahl der Fälle nicht die Deckung der Grundbedürfnisse im Vordergrund steht, sondern der Drang nach der Anschaffung zusätzlicher Güter wie Haus, Auto und Urlaubsreise. Oftmals stimmen dann die Proportionen nicht mehr so ganz: Es wird mehr gearbeitet, um sich einen teuren Wagen anzuschaffen, aber weil man zuviel und zu lange arbeitet, bleibt kaum noch Zeit und Kraft, um den Wagen wirklich zu nutzen.

Unternehmen sehen es meist nicht gern, wenn ihre Mitarbeiter noch allzu viel nebenbei arbeiten. Sie fürchten, daß ihnen dann ein Teil der Arbeitskraft vorenthalten wird, der Firma eventuell sogar Konkurrenz gemacht oder, zum Beispiel durch Veröffentlichungen und Vorträge, Betriebsgeheimnisse ausgeplaudert werden.

Deshalb enthalten viele Anstellungsverträge folgende Klausel: „Die Übernahme jedweder auf Erwerb gerichteten Nebentätigkeit bedarf der ausdrücklichen Zustimmung der Geschäftsleitung. Veröffentlichungen und Vorträge des Herrn X bedürfen insoweit der Zustimmung der Geschäftsleitung, wie dadurch die Interessen der Firma berührt werden.“