Am 1. Januar soll die Concorde auf Linienflug gehen – Landerechte fehlen noch

Das Zeitalter des Überschalls in der zivilen Luftfahrt soll nun unweigerlich am 1. Januar 1976 anbrechen. Das zumindest ist der Zeitpunkt, den Hersteller und Förderer der Concorde (zu deutsch: Eintracht) in Frankreich und Großbritannien anpeilen. An diesem Tag soll der kommerzielle Erstflug des Flugzeugs stattfinden, dessen Entwicklung die Steuerzahler auf beiden Seiten des Kanals in den zwölf Jahren bis Ende letzten Jahres 853 Millionen Pfund (etwa 4,8 Milliarden Mark) gekostet hat und von dem bisher aber nur neun Exemplare bestellt sind.

Geht alles nach Plan, dann wird sich am Neujahrstag in Paris eine Concorde der Air France zur Eröffnung der Flugroute nach Rio de Janeiro erheben. Und in London wird eine Concorde von British Airways zum regelmäßigen Dienst nach Bahrein am Persischen Golf starten.

Die Franzosen, in der Vergangenheit oft ungehalten über das Zögern und Zaudern auf der britischen Seite, hatten zu verstehen gegeben, daß nun eine positive Aktion vonnöten sei, die demonstriere, daß das Concorde-Projekt noch lebe. Dies könnte am besten mit der Ankündigung geschehen, daß noch in diesem Jahr das Flugzeug seiner eigentlichen Bestimmung, nämlich dem Dienst auf einer kommerziellen Flugroute, zugeführt wird.

Die Briten, die Gefahr vor Augen, von den Franzosen abgehängt zu werden, beeilten sich ihrerseits, die Partner auf Eintracht zu verpflichten. Da es aber unrealistisch erschien, für die britische Concorde noch rechtzeitig die begehrte Linie nach New York zu sichern, beschied man sich mit der dritten Wahl, dem Dienst nach Bahrein. Dafür konnten die Briten immerhin noch ins Feld führen, daß es sich um die erste Etappe einer später nach Singapur und Melbourne führenden Route handelt.

Ob es zu der Aufnahme des Dienstes und noch dazu zum geplanten Zeitpunkt kommen wird, ist indes noch nicht sicher. Vereinbarungen mit den Regierungen der zu überfliegenden Länder sind notwendig. Denn sie müssen die Concorde – mit Über- oder Unterschall – in ihrem Luftraum akzeptieren.

Im Sommer wollen British Airways und Herstellen British Aircraft gemeinsam die Route festen. Es ist noch nicht sicher, wie sie verlaufen wird. Die Fluggesellschaft neigt zu einer Verbindung auf der sie ein Maximum der Strecke mit doppelter Schallgeschwindigkeit befliegen kann – sie führt über das Mittelmeer. British Airways stellt unterdes schon kühn in Rechnung, daß der Flug überschallschnell über dem Libanon und Jordanien fortgesetzt werden kann. Auf diese Weise soll die Flugzeit von London nach Bahrein um zwei Stunden zehn Minuten auf vier Stunden zehn Minuten verkürzt werden. Für dieses Vergnügen wird den Passagieren in dem 120sitzigen Flugzeug der Erste-Klasse-Tarif und ein Zuschlag von wohl zwanzig Prozent abverlangt werden.