Hervorragend

„Rendezvous in Bray“ von André Delvaux. Im Winter 1917 fährt der luxemburgische Pianist Julien (Mathieu Carrière) in das Dorf Bray, um seinen Freund, den französischen Komponisten Jacques (Roger van Hool), zu treffen. Doch Jacques erscheint nicht, und Julien wird von der schönen, stummen Anne (Anna Karina) erwartet, die er von früher her kennen müßte, an die er sich aber nicht erinnert. Behutsam führt der belgische einlast André Delvaux den Betrachter in eine trügerisch schöne Nacht- und Schattenwelt, in ein zerbrechliches Idyll am Rande des Krieges. In Rückblenden werden die Stationen einer Künstler-Freundschaft aufgerollt, die zum Scheitern verurteilt ist. Todesahnungen, nahtlos vermischt mit elegischen Reminiszenzen an bessere Zeiten, bestimmen das Klima des Films. „Rendezvous in Bray“, 1971 gedreht, ist nach „Der Mann, der sich die Haare kurz schneiden ließ“ und „Ein Abend, ein Zug“, den die ARD am 11. 4. zeigt, die dritte Arbeit des 1926 geborenen Film-Professors aus Brüssel. Deutlich sichtbar sind in den stillen, vielfach verschachtelten Filmen von Delvaux die Traditionen der flämischen Literatur und bildenden Kunst. (ARD, 6. April)

Mittelmäßig

„Die Ohrfeige“ von Claude Pinoteau, von dem man nach seinem Erstling „Le Silencieux“ (Ich – die Nummer eins) mehr erwartet hatte als diese matte Familienkomödie im betulichen Stil deutscher Lustspiele von Kurt Hoffmann. Ausgerechnet Lina Ventura spielt einen Pariser Lehrer, der alle Hände voll zu tun hat, um seine minderjährige Tochter zu bändigen. Den treuherzigen Biedermann, der von einer rührseligen Verwicklung in die nächste tappt, glaubt man Ventura einfach nicht. Pinoteau will den Helden der besten Filme von Melville, Sautet und Giovanni offenbar zum französischen Rühmann aufbauen. Daß er für diesen Gewaltakt auch noch den angesehenen „Prix Louis Delluc“ bekommen hat, der 1972 zum Beispiel an André Delvaux ging, läßt sich kaum verstehen.

„Der große Blonde kehrt zurück“ von Yves Robert. Wäre er doch nur in Rio geblieben, der große Blonde mit dem schwarzen Schuh! Im zweiten Teil der haarsträubenden Abenteuer des freundlichen Musikanten bringen Robert und sein Star Pierre Richard allenfalls eine flache Imitation des Originals zustande. Die Handlung erschöpft sich in einer überaus umständlichen Exposition, mit der die Fortsetzung mühsam gerechtfertigt wird. Statt ausgefeilter Slapstick-Nummern gibt es meist groben Klamauk zu sehen. Der leichte Charme des ersten Films wird nur in wenigen Sequenzen spürbar.

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