Viele Börsianer teilen eine Hausse in drei Phasen ein. In der ersten werden die während einer Hochzinsperiode und die während der Zeit knappen Geldes eingetretenen „Kursüberfreiburger nach unten“ korrigiert. Die zweite Runde bringt dann vor allem Aktien solcher Gesellschaften voran, die mit günstigen Ertragsaspekten aufwarten können. In der dritten Phase gerät dann noch einmal alles in Bewegung – und das ist dann der Zeitpunkt, zu dem vorsichtige Anleger Kasse machen.

Wer dieser Einteilung folgt, kommt unschwer zu dem Schluß, daß bei uns die Aktienhausse Teil II begonnen hat. Von der Zinsseite sind vorerst kaum Impulse zu erwarten. Der Absatz der neuen 8,5prozentigen Anleihen ist schleppend. Von einem Achtprozenter sind wir noch ziemlich weit entfernt. Daher kommt es jetzt im wesentlichen darauf an, Aktien solcher Unternehmen zu erwerben, die auch in diesem Jahr mit „angemessenen“ Gewinnen aufwarten können. Das Studium der Konjunkturentwicklung ist für den Aktienbesitzer also unerläßlich.

Gute Erträge für 1975 sind bei den Banken schon heute so gut wie sicher. Deshalb finden sich Bank-Aktien trotz der jüngsten Kurssteigerungen immer wieder auf den Empfehlungslisten. Inzwischen weiß man, daß nicht alle deutschen Maschinenbaufirmen von der Investitionsflaute betroffen sind. Hoffnungsvolle Zwischenberichte erstatteten Linde, KHD und die Babcock & Wilcox. Auf der anderen Seite kündigen die zum Quandt-Bereich gehörenden Industriewerke Karlsruhe für 1974 einen zweistelligen Millionenverlust an, der an der Börse den Kurs der IWK-Aktien purzeln ließ. Auf der ermäßigten Basis gibt es aber wieder Interessenten, die nach dem Motto handeln: „Wir kaufen nicht die Verluste von gestern, sondern die Gewinne von morgen !“ Ähnliche Gesichtspunkte werden auch beim Erwerb von Bau-Aktien geltend gemacht. Die Großen dieser Branche, zumal dann, wenn sie auch im Ausland tätig sind, kommen besser über die Bauflaute hinweg, als dies allgemein angenommen wird. In der Großchemie wird allgemein mit einem Rückgang der Gewinne gerechnet. Er scheint in den heutigen Kursen aber bereits berücksichtigt zu sein. Sowohl vom Kurs-/Gewinnverhältnis als auch von der Barrendite her betrachtet, sollten diese Aktien noch Reserven besitzen. K. W.