Fast 300 000 Neubauwohnungen stehen leer. Die Bauherren, die jahrelang am Markt vorbeiproduziert haben, verlangen jetzt Hilfe von der Bundesregierung.

  • In der Wohnungswirtschaft wächst offenbar die Hoffnung, die Bundesregierung werde mit fiskalischen Mitteln dazu beitragen, die „Halde“ von 200 000 bis 300 000 leerstehenden Wohnungen abzubauen. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Ravens: Lassen Sie mich zunächst einmal, sagen: 200 000 – das ist weniger als ein Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in der Bundesrepublik. Das relativiert bereit das Problem, um da es hier geht. Hinzu kommt, daß sich die leerstehenden Wohnungen in den Händen einiger weniger und an wenigen Orten konzentrieren. Die Bauwirtschaft muß also Lösungen für den Absatz dieser Wohnungen anbieten.

  • Das dürfte aber sehr schwer sein, weil die Kosten dieser Wohnungen über dem liegen, was die Nachfrager bieten wollen.

Ravens: Dann zeigt es sich, daß am Markt vorbeiproduziert worden ist.

  • Das ist sicher sehr marktwirtschaftlich gedacht. Andererseits: Ist es nicht für Sie als Wohnungsbauminister ein Problem, daß fast die Hälfte dessen, was die Bundesregierung langfristig als Jahressoll im Wohnungsbau projektiert hat, derzeit leersteht und den ohnedies maladen Baumarkt weiter belastet?

Ravens: Wir haben im vergangenen Jahr etwa 420 000 bis 430 000 Baugenehmigungsanträge registriert. Das zeigt, daß sich die Nachfrage auf den langfristigen Bedarf eingerichtet hat. Zur Marktstabilisierung gehört aber auch, daß die Hypothekenbanken und Sparkassen weiterhin die Zinsen senken.