Hamburg: „Rolf Rose“

Rolf Rose, Jahrgang 1933, fiel in der Kunstszene bisher dadurch auf, daß er nicht auffiel, daß er sich and sein Künstlerdasein niemandem aufdrängte, seine Bilder zwar gelegentlich am Rande erwähnte, sie aber kaum je vorzeigte. Diese Zurückhaltung, diese Geduld mit sich selber und dem Publikum hat sich gelohnt: seine neuen Bilder, die die Galerie Wentzel jetzt zeigt, rücken ihn sehr plötzlich und überzeugend in die vorderste Reihe der Monochromisten, okkupieren einen Platz irgendwo zwischen Raimund Girke und Gotthard Graubner. Roses Bilder belegen die Mitte in der Skala der Unfarben, markieren die Grauzone, verschließen sich dem Betrachter zunächst. Man muß sich Zeit lassen mit diesen intensiv grauen Rechtecken, die zunächst wie an die Wand gehängte dicke Schieferblöcke wirken, um sehen zu können, wie durch Lichteinwirkung die auf den ersten Blick monochromen Flächen ein zweites polychromes Leben entfalten, wie Farbe und Licht, Körper und Raum einander konditionieren. Rose erreicht diese Wirkung durch einen Arbeitsprozeß, an dem er lange experimentiert hat: Auf die Leinwand spachtelt er zunächst eine Mischung aus einer stark leuchtenden Farbe und Bienenwachs auf, die der Bildoberfläche eine objektartige, sinnliche Qualität verleiht Auf dieser Fläche wird eine Schicht aus Graphitstaub aufgetragen und diese Fläche dann mit Schaumstoffkissen und Föhn solange bearbeitet, bis das sehr zarte Wechselspiel zwischen der Farbe des Untergrunds und dem Anthrazit der Oberfläche sich entfalten kann und das Ganze eine fast räumliche Qualität bekommt. Der Reiz dieser Bilder: Askese, die sich selbst unterläuft. (Galerie Wentzel bis 10. April). Petra Kipphoff

München: Antonio Saura

Das Informel, eine Malerei der offenen, im herkömmlichen Sinn nicht strukturierten Form, war bestimmt durch die spontane, aggressive oder lyrische Geste, in der Ausdruck sich unmittelbar verwirklichte. Die Geste des Informel, rückblickend das Erkennungszeichen eines bereits kunstgeschichtlich rubrizierbaren Stiles, steht weiterhin als konventionelles künstlerisches Mittel zur Verfügung, und so wird sie von dem Spanier Antonio Saura, der einer der wichtigsten Maler des Informel war, heute auch benutzt. In seinen neuen, kleinformatigen Bildern auf Papier ist das frühere Verfahren zitiert, als eine legitime Möglichkeit, Kunst herzustellen. Saura malt auf Reproduktionen von berühmten Gemälden, er übermalt das künstlerische Erbe, allerdings nicht in der Absicht, es auszulöschen. Die Vor-Bilder, teilweise deutlich zu erkennen, teilweise nicht mehr auszumachen, sind unter Nach-Bildern versteckt, die als Metamorphosen zu verstehen sind: Aus Kunst entsteht wieder Kunst, die in doppelter Weise Geste ist – ikonographisch, im Verweis auf das Original, formal, durch den Malvorgang. (Galerie van de Loo in der Maximilianstraße, bis Ende April). Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden: „Surrealität – Bildrealität 1924 bis 1974“ (Staatliche Kunsthalle bis zum 20. April, Katalog 25 Mark)

Frankfurt: „Deutsche Malerei im 19. Jahrhundert“ (Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut bis zum 20. April, Katalog 25 Mark)