Abgleiten zur reinen Show? – Kritik am Parallelslalom

Von Heinz Maegerlein

Eines der Mammutunternehmen des modernen Sports – ähnlich Davis-Cup oder Fußball-Weltmeisterschaft– ist in diesen Tagen zu Ende gegangen. Das Finale im Grödnertal am letzten Wochenende setzte den Schlußpunkt hinter die Weltcup-Saison 1974/75 und damit hinter eine der finanziell aufwendigsten, zeitlich ausgedehntesten und in mancherlei Hinsicht fragwürdig gewordene Serie von Veranstaltungen in einer einzigen Sportart.

Ein paar Zahlen: Es war bereits der neunte Weltcup, der in diesem Winter entschieden wurde. 46 Rennen, je 23 für Männer und Frauen und Mädchen, standen auf dem Programm. Nach vielwöchigem Training auf den Gletschern Europas und Südamerikas hielt der kunterbunte Troß der rund 100 Rennläufer und 70 Rennläuferinnen, der etwa 300 Trainer, Betreuer, Serviceleute, Ärzte, Psychologen und so weiter und der 500 Fahrzeuge in den letzten Novembertagen Einzug in die französische Skimetropole Val d’Isère, in der am 4. Dezember das erste Weltcuprennen gestartet wurde. Dann trennten sich die Männer und Frauen, fanden sich in ihrer 4000 km-Fahrt quer durch die Alpen erst wieder Ende Januar bei den zum Weltcup zählenden olympischen Testrennen in Innsbruck zusammen, trennten sich erneut, ehe sie sich im Flugzeug zu den Flügen über 35 000 km zu den Rennen in Japan, Kanada und den USA wiedertrafen und gemeinsam zum alles entscheidenden Finale in Südtirol unter Langkofel und Sella anreisten.

Rolle der Wissenschaft

21 Skiorte und neun Länder sahen diese modernen Skinomaden, die während vier Monate, von Anfang Dezember bis Ende März, nur für wenige Tage über Weihnachten von ihren Coachs und Trainern – ungern – nach Hause entlassen wurden. Nimmt man einen durchschnittlichen Etat von 250 000 Mark, was angesichts der Schwierigkeiten der Schneebeschaffung und Pistenpräparierung der bis zu dreieinhalb Kilometer langen Strecken in diesem lange Zeit sehr schneearmen Winter ganz sicher nicht zu hoch gegriffen ist, so wurden für diese Rennen der, gemessen am 30 bis 40 Millionen-Volk der Skifahrer, winzigen Elite zumindest fünf Millionen Mark verausgabt.

Etwa 500 000 Menschen sahen die 46 Rennen direkt an den Strecken, etwa 50 Millionen an den Fernsehschirmen in Europa, Japan, Kanada und den USA. Es gab große Rennen unter einwandfreien Wetter- und Pistenverhältnissen, aber auch Blindfahrten durch Nebel und Schneesturm, und hier und da auch schandbar schlecht präparierte Strecken, die dem Zufall Tür und Tore öffneten.