Die EG-Kommission soll das Modell des Club of Rome kaufen

Von Frank Otte

Der Untergang der Menschheit fand diesmal in Hannover statt: Hungerkatastrophen, Zusammenbruch ganzer Volkswirtschaften, die im Elend versinken, wurden per Knopfdruck ausgelöst. Es war der Computer der Medizinischen Hochschule, der auf Geheiß der Wissenschaftler Eduard Pestel und Mihailo Mesarovič wahre Schreckensvisionen ausspie.

Die Verfasser des zweiten Berichts an den Club of Rome, „Menschheit am Wendepunkt“, demonstrierten vor Parlamentariern aus Ländern der Europäischen Gemeinschaft ihr aus hunderttausend Gleichungen zusammengebautes Weltmodell.

Zahlen über Geburts- und Sterberaten, Ernährungs- und Rohstoffsituation lieferten die amtlichen Statistiken. Das Durchspielen der Katastrophen am grünen Tisch war lediglich ein Computer-Problem. „Entscheidend ist“, meinte Kristen Helveg Peterson, dänischer Abgeordneter im Europäischen Parlament, „daß die Politiker an Hand praktischer Probleme mit den Möglichkeiten eines Krisenmanagements vertraut werden.“

Das scheint angesichts der drohenden globalen Krisen notwendiger denn je. Schon das Standard-Szenario der Pestel-Mesarovič-Studie ist beunruhigend genug: Geht es auf der Welt im alten Trott weiter und ändert sich der Stil der Entwicklungspolitik nicht wesentlich, „kann man schlicht und einfach jede Hoffnung fahren lassen, daß sich die Wohlstandskluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern jemals verkleinert“, wie es im Bericht an den Club of Rome heißt. Die Menschen in Südostasien zum Beispiel, die zur Zeit nur den zwanzigsten Teil des Pro-Kopf-Einkommens haben, das den Westeuropäern zur Verfügung steht, können auch in den nächsten fünfzig Jahren diesen Abstand nicht verringern, obwohl ihr durchschnittliches Einkommen von 125 Dollar auf 600 Dollar pro Jahr steigen wird.

Noch verhängnisvoller als Nichtstun, so kann am Beispiel Südostasien gezeigt werden, würde sich eine engstirnige und kurzsichtige Politik des nationalen Vorteils auf Seiten der Industrieländer auswirken, die die weltweiten Wirtschaftlichen Verflechtungen unberücksichtigt läßt.