Wenn der Plenarsaal des Bundestages nur spärlich besetzt ist, steht entweder Nebensächliches auf der Tagesordnung (Deutschland-Debatte, Wirtschaftslage der Nation usw.) oder die Grippe grassiert. Oder aber die Reiselust hat die Abgeordneten gepackt. Ein bißchen Übung in Reise-Diplomatie kann ja auch niemandem schaden.

Viele haben sich den Super-Reise-Diplomaten Kissinger zu ihrem Vorbild erkoren. Um den großen Henry zu sehen, fliegen manche nach Washington, wo er jedoch selten anzutreffen ist. Andere reisen gleich in den Nahen Osten, nach Israel, nach Kairo, zu einem Plausch mit Arafat. Und schon gehört man zum Polit-Jet-set.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich bei den Parlamentariern Bildungsreisen. Man möchte sich schließlich an Ort und Stelle seine Meinung über den Stand der deutsch-polnischen Beziehungen („Theo, wir fahr’n nach Lodz!“) oder der deutschchinesischen Beziehungen („Theo, wir fahr’n zu Mao!“) bilden. Manche bleiben auch im Lande: „Theo, wir geh’n nach Karlsruhe!“

Joachim Schwedhelm