Von Wolfgang Hoffmann

Die Bundesregierung läßt viel erforschen: Es gibt Geld für Bach, Mozart und Haydn, für Kernreaktoren, große Rechner, solare Wärmespender und gasbetriebene Autos. Es gibt auch Geld für Primaten – laut Brockhaus Herrentiere: Halbaffen, Affen und der Mensch. Aber werden die acht Milliarden Mark, die der Bund in diesem Jahr für Forschung, Wissenschaft und Entwicklung ausgibt, auch sinnvoll verwendet?

Hans Matthöfer, Bundesminister für Forschung und Technologie, gibt etwa vier Milliarden Mark aus; der Rest – immerhin noch einmal vier Milliarden – ist auf viele Ressorts verteilt: der Kanzler gibt 1,4 Millionen Mark zur „Erforschung der öffentlichen Meinung“ aus; die Gesundheitsministerin bemüht sich mit einer Million Mark um gesellschaftliche Randgruppen; der Ernährungsminister sucht nach neuen deutschen Weinen; und der Städtebauminister muß mit 4,5 Millionen Mark erforschen, wie das schon vor zehn Jahren verabschiedete Raumordnungsgesetz endlich auch vollzogen werden kann.

Doppelforschung gehört zum Bonner Geschäft. So läßt der Sozialminister neue Glieder für Kriegsbeschädigte entwickeln; Hans Matthöfer hat die Firma Rosenthal mit einem ähnlichen Auftrag bedacht. Der Innenminister gibt für die Sprach- und Literaturpflege; der Forschungsminister ist beim Institut für deutsche Sprache engagiert. Im Umweltschutz sind ebenfalls beide tätig: Jeder gibt für den gleichen Zweck einen Zuschuß für die Dokumentationszentrale Wasser der Fraunhofer-Gesellschaft.

Wer in Bonn wieviel Geld und für welche Forschung ausgibt, ist allerdings höchst ungenügend bekannt. Nur Hans Matthöfer gibt einen umfangreichen Förderungskatalog heraus, in dem nachzulesen ist, wer von den Forschungsmilliarden profitiert. Andere Minister begnügen sich mit pauschalen Angaben. Besonders pauschal gibt sich Verteidigungsminister Georg Leber, der 1,4 Milliarden Mark für Wehrforschung und Entwicklung ausweist. Details sind geheim, sieht man von der Forschungstätigkeit im Bereich des Sanitäts-, Verpflegungs- und Bekleidungswesens ab (800 000 Mark).

Gekürzt wird sehen

Vom Forschungsministerium sind in den letzten Jahren weit über 2000 Projekte, Studien und Gutachten gefördert worden. Zwar überwachen 578 Beschäftigte und 764 Berater den Verlauf der geförderten Vorhaben, doch allzuleicht kann passieren, daß Projekte in die Liste der Vorhaben Eingang finden, die durchaus nicht förderungswürdig sind. Fast wäre es auch den gutverdienenden deutschen Töchtern der Ölmultis Esso und Shell gelungen, unter anderem Firmennamen Bonner Geld zu bekommen. Minister Matthöfer stoppte das Vorhaben, denn ausländische Multis sollen nur in Ausnahmefällen Geld bekommen, etwa dann, wenn sie über besonderes Know-how verfügen. So ist beispielsweise der Multi-Konzern ITT mit seiner deutschen Tochter Standard Elektrik Lorenz (SEL) mit 18 Projekten in der Liste des Forschungsministers vertreten.