Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Irgendwann und irgendwie (und spät genug) hat man begonnen, auch Kinder ins Museum zu holen; entscheidend war da vermutlich das UNESCO-Seminar im Folkwang Museum in Essen (1963), bei dem neue Möglichkeiten diskutiert wurden, wie man Öffentlichkeit und Museum zusammenbringen könne, und nach dem der damalige Leiter des Museums beschloß, eine pädagogische Abteilung zu gründen (nach dem Vorbild der USA und DDR).

Andere Museumsdirektoren steckten sich rasch und gründlich an dieser Idee an, und so entstanden im Lauf der nächsten Jahre in Köln, Hamburg, Kassel, Düsseldorf, Essen, München, Saarbrücken, Nürnberg, Frankfurt und Berlin Malschulen, die manchmal nur eine Malstunde pro Kind, manchmal Kurse anboten und im Schnitt ein halbes Jahr hindurch liefen. Dazu kamen Werkstätten, Bastelräume, Führungen, Filme, und heute tummeln sich, zwischen Vorschule und Oberstufenreform, überall Kinder in den Museen, und überall mühen sich Erwachsene, ihnen das Museum so verständlich und vertraut wie möglich zu machen. Aber keiner von diesen Lehrern, Kunsthistorikern, Malern, gebildeten Laien, Sozialpädagogen oder pensionierten Wissenschaftlern hat es gelernt, Kindern Kunst zu vermitteln, denn der Begriff Museumspädagoge ist neu, vage und noch durch keine Lehre und kein Diplom abgesichert. Alle haben ohne Diskussion und theoretische Motivierung auf den ersten Blick begriffen, daß die Sache wichtig ist und sich deshalb ohne zu zögern oder wissenschaftlich oder pädagogisch abzusichern zur Verfügung gestellt. Aber erst jetzt, fünf oder mehr Jahre später, stellt sich die Frage: Was ist eigentlich das Ziel? Und wie erreicht man es? Jetzt erwacht das Bedürfnis nach einer Theorie, nach Bestätigung oder Kritik, auch nach Aufmerksamkeit, oft nach Hilfe und neuen Anregungen. Dabei spielt auch die Dauer-Attacke der nicht mehr so jungen Linken unter den Kunsterziehern eine Rolle, denen Kunst eo ipso als elitär gilt und analysierenswert nur deshalb, weil verschleierte Machtverhältnisse und der manipulative Einsatz von Tradition enthüllt werden muß.

Da stellt sich zunächst die Frage: Wie machen ... es eigentlich die anderen? Aber erstaunlicherweise weiß kaum eine Stadt, wie es die andere hält, werden keine Erfahrungen und Erfolgsrezepte zwischen den Museen ausgetauscht. Dabei ergibt sich die Arbeit der Malschulen in der Tat ziemlich selbstverständlich. „Der Wechsel zwischen Kunstbetrachtung und selbständigem Tun ist nur im Museum möglich“, sagte Alfred Hentzen, der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle und, Mitbegründer der Malschule. Hier gibt es ein eindeutiges pädagogisches Konzept, das darauf ausgeht, den Kindern beim Sehen und Betrachten das Elementare zu erhalten, das mehr und mehr durch das riesige optische Angebot der modernen Umwelt pervertiert wird.

Schwieriger wird das Thema bei Kinder-Führungen. Was soll man zeigen? Warum? Und wie interpretieren?

Bei all den isolierten Experimenten und Methoden-Suchen haben fast alle Museen die gleichen Stationen passiert. Am Anfang stand der ungebrochene Glaube an das konventionelle Medium der Massenbelehrung: Texte, Broschüren, Kataloge, Schrifttafeln, plakatgroße Legenden neben den Objekten. Doch das kam nicht an, wurde nicht gelesen, noch weniger verstanden. Warum?

Mit dieser Frage begann die Definition des Problems, denn die Sprache der Wissenschaftler, der Erwachsenen und Ästheten schien zuviel oder zuwenig zu transportieren, auf jeden Fall erwies sich die Fachsprache als nutzlos.