Von Rudolf Walter Leonhardt

Was sind uns Kunst und Kultur wert? In Zeiten finanzieller Dürre müssen die Künste es sich immer gefallen lassen, daß die Frage nach ihrem Nutzen gestellt wird.

„Wir brauchen Subventionen für Theater und Opernhäuser“, sagen die Kultusminister und Kulturfunktionäre. „Warum?“ fragen die Finanzminister zurück. Und sie dürfen sich dabei durchaus einig fühlen mit vielen Künstlern und Schriftstellern, die in den Millionen-Ausgaben für staatliche Kultstätten nichts anderes zu sehen vermögen als Perpetuierung des Status quo.

M. Jacques Rigaud, ein hoher französischer Kulturbeamter, ließ daran keinen Zweifel: „Wenn das Geld knapp wird, dann werden die Pariser Oper, das Orchestre de Paris und die Comédie Française zuletzt davon betroffen; als erstes wird die Förderung neuer Versuche und kleinerer Projekte eingestellt oder gekürzt.“

Er war zusammen mit zwei weiteren Franzosen, sechs Engländern (darunter Ex-Kultusminister St. John-Stevas, Fernsehdirektor Huw Wheldon und Universitätspräsident Lord Annan), neun Amerikanern (darunter ein Sonderberater des Präsidenten und ein Mitglied der Familie Rockefeller) und vier Deutschen nach Berlin gekommen. Eingeladen hatte das Aspen-Institut für Humanistische Studien, das im US-Staat Colorado zu Hause ist und seit vorigem Jahr eine Zweigstelle in Berlin hat. Die Stadt stellte ihm ein schönes Haus zur Verfügung auf der Havel-Insel Schwanenwerder, wo einst der Doktor Goebbels residierte. Im übrigen finanziert das Institut sich und seine Tagungen aus privaten Mitteln meist amerikanischer Herkunft.

Das Thema des Studienseminars Ende März lautete: „Der Einfluß der ökonomischen Situation auf Kultur-Institutionen – Unterstützung für Kunst und kulturelle Aktivitäten.“ Der Teilnehmerkreis war erlesen. Derlei kann dazu beitragen, die Berliner Szene zu beleben. Als nützliches Ergebnis darf ein Informationsaustausch gewertet werden, der Vergleiche ermöglicht.

Es wurde offenbar, daß die vier vertretenen Staaten außer der ökonomischen Krise weniger gemeinsam haben, als manche vorausgesetzt haben mochten. Engländer und vor allem Amerikaner finanzieren den größeren Teil ihrer kulturellen Aktivitäten noch immer aus privaten Quellen, Spenden, Schenkungen, Stiftungen; neue Hoffnungen richten sich dort, nicht ohne Sorge, auf den Staat als Geldgeber. In Frankreich und Deutschland hingegen lebt Kultur seit langem schon zu neunzig Prozent von staatlichen Subventionen, und man hofft eher, daß die privaten Initiativen verstärkt werden könnten.