Von Adolf Metzner

Was wollen Sie ausgerechnet auf den Philippinen“, fragte mich in Bangkok ein deutscher Tourist, mit dem zusammen ich vorher in Laos war. Goldschimmerride Tempel und geheimnisvoll meditierende Buddhafiguren gibt es auf jenen Hunderten von Inseln, die den Namen Philipps II. von Spanien tragen, freilich nicht.

Wenn man abends auf den Mauern des Forts Santiago, wo auch Mac Arthur sein Hauptquartier hatte, steht, um den berühmten Sonnenuntergang über der Bay von Manila zusammen mit Hunderten von Liebespärchen zu erleben, wenn dann Punkt sechs Uhr ein Kanonenschuß ertönt, und das Angulusläuten von Sankt Augustin einsetzt, überkommen den Reisenden aus dem Abendland heimatliche Empfindungen. Eine christliche Insel inmitten eines Meeres von Buddhismus und Maoismus. Im fernen Norden flankiert vom Shintoismus und im Süden berührt vom Islam.

Ja, was wollte ich eigentlich hier? Vor allem wollte ich das achte Weltwunder sehen: Die Reisterrassen von Banaue im Norden der Insel Luzon. Ich wollte auch prüfen, ob solche Schlagworte die Probe aufs Exempel aushielten. In Manila eine Nacht im Intercontinental Hotel, wie überall in der Welt ein riesiger Frigidaire, aber doch welche Wohltat nach der sengenden Glut. Um 5.15 Uhr früh sollte mich der Fahrer zum lokalen Flugplatz abholen, so stand es in meinem Zeitplan. Um 5.30 Uhr immer noch keine Spur von meinem Wagen. Etwas nervös rufe ich im Hilton an, und dort wartet mein Fahrer mit asiatischer Gelassenheit, dabei hat er mein Flugticket und alle sonstigen Unterlagen. Aber es arrangiert sich alles noch, wie meistens in diesen Ländern. Eine dreiviertel Stunde Flug bis Baguio, dem hochgelegenen Fluchtort der Wohlhabenden aus Manila, wenn dort die Hitze unerträglich wird.

Man hängt mir einen Blumenkranz um, und ich merke, daß ich eigentlich schon in der Südsee bin. Diesmal ist der Fahrer, der mich zu den hochgerühmten Reisterrassen bringen soll, zur Stelle. Aber ich hatte keine Ahnung, was mir nun bevorstand. Acht Stunden Fahrt auf dem philippinischen Highway. Acht Stunden über Myriaden von Schottersteinen und über unzählige Schlaglöcher. Vorbei an herabgestürzten Felsbrocken und herniedergebrochenem Stein und Sandlawinen. Ein schauerliches Geholpere, das auf die Wirbelsäule geht und die Bandscheiben schmerzlich prüft.

Und dann diese endlosen Ausweichmanöver. Für zwei Wagen ist die Spur meist zu schmal, einer muß zurückstoßen bis zu den verbreiterten Stellen. Aber hier erlebe ich nun wahre asiatische Höflichkeit, die auch in der Großstadt Manila schon abhanden gekommen ist. Fast jeder Fahrer ist bemüht, möglichst schon vor uns rückwärts zu fahren, ein Caballero-Verhalten, das von der Gegenseite mit einem kurzen Hupton oder einem freundlichen Händegruß quittiert wird. Man stelle sich in solcher Situation unsere „Kavaliere“ am Volant vor!

Plötzlich fängt unser Motor zu stottern an und stellt bald seine Tätigkeit ein. Jetzt aber zeigt Alfonso, was er kann. Für jeden nur denkbaren Notfall ist er gerüstet. Er entfaltet ein Instrumentarium, das jeder Reparaturwerkstätte Ehre machen würde. Im Nu sind die verrußten Kerzen ausgewechselt, und es geht weiter, auch nach einer Reifenpanne ist das Reserverad schnellstens montiert.