Nun kommt es wieder auf Touren – das Trainerkarussell der Fußball-Bundesliga. Als sich die Entscheidungen – ob unter die ersten fünf oder ob Abstieg – noch nicht anbahnten, rotierte es nur mit halber Fahrt. Lattek, der vom FC Bayern Gefeuerte, schloß mit Rot-Weiß Essen ab. Eine Mannschaft steht ihm ins Haus, die gegen Eintracht Frankfurt in beiden Spielen 14 Tore kassieren mußte. Piontek geht von der abstiegsgefährdeten Mannschaft Werder Bremens zu der von Fortuna Düsseldorf, deren Blütenträume auch nicht zu reifen scheinen. Aber der Knüller, um es in der Sprache der Boulevardpresse zu sagen, ist die Kündigung durch Max Merkel, der 1860 München in der zweiten Liga Süd betreut. Meistermacher oder Sklaventreiber, zwei Attribute, die ihm von der Sportpresse zugedacht wurden und die die ganze Bandbreite von Erfolg und Methode des Wieners umschließen, der heute ebenso mundgewaltig ist wie er einst schußgewaltig war. Ein Wehner des Fußballsports, dessen Sprache und Sprüche voller Saft und Kraft sind, voller Witz und Ironie, manchmal aber auch recht derb und grob.

Dieses gestandene Mannsbild hat nun gekündigt, obwohl seine Mannschaft noch Chancen auf den zweiten Platz besitzt. Das dies aber für die Bundesliga nicht ganz ausreicht, hat der schlaue Wiener längst erkannt. Nachdem er von seinem Vorsitzenden hörte, das wegen des Schuldenberges (drei bis vier Millionen) an spektakuläres Neueinkaufen nicht zu denken sei, was auch bedeutet, daß Merkels Gehalt nicht wesentlich aufgebessert werden kann, schickte er den blauen Brief an seinen Arbeitgeber. Manche meinen, das sei alles nur eine Finte, um zu höheren Bezügen zu kommen. Die meisten sind aber der Ansicht, daß der großsprecherische Trainer bereits ein anderes gewinnträchtiges Angebot in der Tasche habe. Genannt wird dabei der FC Bayern, dessen Trainer Dettmar Cramer es offenbar mit Verträgen nicht so genau nimmt und deshalb auf 10 Millionen Dollar Schadenersatz vom amerikanischen Fußballbund verklagt wurde. Bayern-Präsident Neuberger hat nun die Trennung von Cramer im Visier.