Kurzarbeit, Entlassungen und Betriebsschließungen in wichtigen Exportbranchen

Charles A. Coombs machte seinem Herzen noch einmal Luft. Der gegenwärtige Dollarkurs gegenüber dem Schweizer Franken, so schnaubte der scheidende Devisenmanager der New Yorker Federal Reserve Bank, sei einfach "lächerlich" und "unrealistisch".

Doch so unwirklich der Wechselkurs dem amerikanischen Banker auch immer erscheint, den Schweizern macht er zu schaffen: Der Außenwert des Franken, gemessen am Dollar so hoch wie nie zuvor, drückt auf den Außenhandel des Landes.

Noch vor drei Jahren bekam ein Schweizer Unternehmen für jeden Dollar, den es im Export erlöste, 3,80 Franken von seiner Bank. Seitdem jedoch mehr und mehr Finanzdollars in die harte Schweizer Währung wechselten, wurde der Dollar schwach: Mitte vergangenen Jahres erhielt ein eidgenössischer Außenhändler bereits nur noch 2,65, in der vorigen Woche sogar nur noch 2,50 Franken je Dollar.

Der schweizerische Export geriet damit nach langen Jahren raschen Wachstums in die Krise. Zwar stiegen die Außenhandelszahlen 1974 noch einmal kräftig. Aber inzwischen kam die Wende: Im Januar schrumpften die Exporte der Eidgenossenschaft gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um real 10,9 Prozent, im Februar gar um 11,2 Prozent. Hauptleidtragende sind vor allem die Uhren- und die Textilindustrie.

In diesen beiden Branchen, deren Struktur noch stark von kleinen und mittleren Betrieben geprägt wird, treten deshalb die allenthalben in der Schweiz spürbaren Rezessionserscheinungen am stärksten hervor. Diese beiden Wirtschaftszweige leiden jetzt aber auch darunter, daß sie jahrelang unter der Käseglocke staatlichen Konkurrenzschutzes arbeiten konnten und so den Anschluß verpaßt haben. Schweizer Uhren sind derzeit auf dem Weltmarkt etwa dreißig bis vierzig Prozent teurer als japanische oder amerikanische. Deshalb versucht die helvetische Uhrenindustrie neuerdings durch Rationalisierungsmaßnahmen in Jedem Jahr etwa zehn Prozent dieser Preisdifferenz aufzuholen.

Für viele Unternehmen brachte die Rationalisierung jedoch keine Hilfe mehr: Mehrere Uhrenfabriken haben inzwischen ihren Betrieb eingestellt, viele mußten auf Kurzarbeit umstellen. Selbst Branchenriesen sind davor nicht gefeit: So mußten große Konzerne der Schweizer Uhrenindustrie, wie Asuag (Marken: Certina, Eterna, Longines) und SSIH (Omega, Tissot) Arbeitszeit- und Lohnkürzungen von zehn bis zwanzig Prozent einführen. SSIH hat zudem 300 Leute entlassen. Andere Unternehmen, etwa die Roamer Watch, haben den Betrieb geschlossen.