Gott gab dem Menschen zwei Ohren, aber nur eine Zunge, damit er doppelt soviel zuhören kann, wie er spricht“, sagt ein altes arabisches Sprichwort. Feisal, der ermordete Autokrat von Saudi-Arabien, hatte es zu seinem Leitspruch gemacht. Die neue „doppelköpfige Monarchie“, die seine Nachfolger König Chalid und Kronprinz Fahd zunächst zu installieren gedenken, wird dagegen vier Ohren haben, die dem Rat und den Einflüsterungen der Umwelt lauschen können.

Beide versichern zwar, auch ihr Ziel sei es, noch einmal in Jerusalem zu beten. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig Kontinuität der bisherigen Politik. Chalid und Fahd werden sehr schnell merken, wie schwer es ist, den Anspruch auf das gesamte Erbe Feisals zu verwirklichen. Denn mit Geld allein läßt sich die unangefochtene oberste Autorität in der islamischen Welt nicht kaufen. Das macht das neue Regime beeinflußbar, offen für den Druck der Militanten im eigenen Lager. (Siehe auch Seite 6).

Der Tod des Königs traf mit dem Scheitern der Kissinger-Mission in Nahost zusammen; das hat den Schock über den Mord von Riad vergrößert. Zwar ist die Interdependenz, die Abhängigkeit der verschiedenen Erdteile voneinander und untereinander in der heutigen Welt größert. Zwar ist die Interdependenz, die Ab-Geschichte von Einzelnen gemacht. Mit der Ölwaffe hat Feisal die bisherige Weltordnung aus den Angeln gehoben. Aber zugleich verstand er es, perfekt auf dem dünnen Faden zu balancieren, den er zwischen seinen Zielen gegenüber Israel und seiner Verantwortung gegenüber der übrigen Welt geknüpft hatte.

Die neue „doppelköpfige Monarchie“ in Saudi-Arabien wird nicht nur vier Ohren, sondern auch vier Füße haben. Damit läßt sich schwer auf dem Seil tanzen. Wenn es risse, würden sich nicht nur die Akrobaten die Beine brechen.

Vy.